Nicht dran denken
(R: Gianni Zanasi)
Originaltitel: Non pensarci, Italien 2007, Buch: Michelle Pellegrini, Gianni Zanasi, Kamera: Giulio Pietromarchi, Schnitt: Rita Rognoni, Szenenbild: Roberto de Angelis, Kostümbild: Valentina Taviani, Musik: Matt Mesina, mit Valerio Mestrandea (Stefano Nardini), Valentina Fois (Monica), Anita Caprioli (Michela Nardini), Guiseppe Battiston (Alberto Nardini), Teco Celio (Vater), Gisella Burinato (Mutter), Paolo Briguila (Paolo Guidi), Caterina Murino (Nadine), 105 Min., Kinostart: 21. August 2008
Ein mit 35 Jahren eher ältlicher Gitarrist einer Punkband (Valerio Mestrandea) ertappt seine Freundin (Valentina Fois) beim Seitensprung mit dem Kollegen aus einer befreundeten Band (“Du bist schon zurück von eurer Probe?” „Ja. Früher als – äh – erwartet zu Ende.“ Zum Kollegen: „Ich finde die Sachen gut, die ihr macht“). Nimmt seine Sachen und verschwindet, verzieht sich – anscheinend auch mangels Alternative – zu seiner Familie, die ihn offensichtlich schon lange nicht mehr gesehen hat. Das bürgerliche Leben von Mama, Papa, Bruder und Schwester erweist sich als wesentlich desolater als sein eigenes. Der Bruder (Guiseppe Battiston) lebt in Scheidung und hat die väterliche Fabrik in den wirtschaftlichen Ruin getrieben, die Schwester (Anita Caprioli) hat die Uni geschmissen und ist Delphinpflegerin geworden, und der Papa (Teco Celio) ist gar nicht sein leiblicher Vater, was die Mama (Gisella Burinato) ihm allerdings nie erzählt hat. Und alle, alle kommen sie mit ihren Nöten zu Stefano. Der findet sich unversehens inmitten bürgerlichster Kämpfe wieder, wälzt Unterlagen, feilscht bei den Banken um Kredite und Rückzahlungsaufschub, geht mit den „richtigen“ Leuten essen, begleitet seine Mutter zur Beerdigung eines Bekannten und bekennt schließlich sogar – nachdem die Mama ihm eröffnet, der Verstorbene sei sein leiblicher Vater gewesen – er ziehe vielleicht gelegentlich doch eine freundliche Lüge der tristen Wahrheit vor.

Bei all dem bewahrt unser Held und bewahrt der Film eine liebenswerte Komik, die teils melancholisch, teils slapstickhaft ist. Allein für den Stagedive, der im Bauchplatscher auf dem Fußboden landet, gebührt dem Film vorbehaltlose Anerkennung. Nach einer Szene wie dieser habe ich mich 20 Jahre lang gesehnt.
Non pensarci erhielt bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig 2007 den Preis der Filmkritik als bester Film, bei den Bozner Filmtagen 2008 die Auszeichnung als bester Spielfilm.