
Aktuelle Beiträge:
italo.log 107: Patrizia Cavalli (3)
Jede Woche präsentieren Theresia Prammer und Roberto Galaverni jeweils ein Gedicht eines/r italienischen Autors/Autorin im Original und in deutscher Übersetzung …
Der »Blinde Passagier« von Dominic Angeloch
Beeindruckend atmosphärisch und dicht ist die Story, die in ihrer Schilderung von seelischer Verwirrtheit und südländischer Exotik an einigen Stellen an Camus’ "Der Fremde" erinnert … [Stefan Heuer]
Michael Braun & Michael Buselmeier: Der gelbe Akrobat"
Sekundärliteratur zu lyrischen Texten, die in Text und jeweiligem Titel selbst poetisch anspruchsvoll daherkommt. Ein kluges Buch; nicht altklug, nicht neunmalklug – einfach nur klug und fachkundig … [Stefan Heuer]
Hans Waals ausgebufft witziger Roman „Die Nachhut“
Steht der Russe schon vor Berlin? Haben etwa die Amerikaner gesiegt? Oder befindet sich das deutsche Volk noch im tapferen Widerstand? Mühsam versuchen sie die Zeichen der neuen Zeiten zu deuten – unserer Zeiten … [Martin Jankowski]
Von kleinen Bildern und großen Bildwelten
Noch vor dem Schrifterwerb und neben dem Spracherwerb, lernen Kinder im Erkennen von Bildern eine wichtige Kulturtechnik … [Felix Giesa]
Mordsmäßig Folge 44: »Mit Teufelsg’walt« von Christine Lehmann
In den frühen Morgenstunden wird Lisa Nerz von einem höllischen Gepolter in der Wohnung über ihr aus dem Schlaf gerissen: Das Jugendamt ist bei ihrer Nachbarin eingefallen und versucht, den kleinen Tobias in Obhut zu nehmen. Bestürzt über die Machtfülle der staatlichen Fürsorgeeinrichtung beginnt Schwabenreporterin Lisa Nerz zu recherchieren. und gerät in Teufels Küche … [Kirsten Reimers]
italo.log 104: Toti Scialoja
Jede Woche präsentieren Theresia Prammer und Roberto Galaverni jeweils ein Gedicht eines/r italienischen Autors/Autorin im Original und in deutscher Übersetzung …
SuKuLTuR-Presseerklärung
Am Samstag, den 6. Februar 2010, wurden wir mit einem erstaunlichen Link geweckt: Es geht um den Roman "Axolotl Roadkill" von Helene Hegemann. In einem Blog-Artikel von Deef Pirmasens werden Plagiatsvorwürfe gegen das Buch erhoben – und zwar sollen Passagen von dem Blogger Airen abgeschrieben worden sein. Dessen Roman STROBO (samt den zitierten Passagen) haben wir im Sommer 2009 in unserem Verlag (SuKuLTuR) veröffentlicht …
Mordsmäßig Folge 43: »Was die Toten wissen« von Laura Lippman
Im Jahr 1975 verschwinden zwei junge Schwestern. Dreißig Jahre lang gibt es keinerlei Spuren – doch dann taucht eine Frau auf, die behauptet die jüngere der beiden zu sein. Von einem wahren Fall angeregt, aber sehr eigenständig beschreibt Laura Lippman, was geschehen sein könnte in der Zwischenzeit … [Kirsten Reimers]
Der entzündete Winter – floppy myriapoda #13
Krankheit, Kunst und Tod oder umgekehrt Putz, Schlupf und Stunk: In Berlin wird das Jubiläumsheft der Zeitschrift floppy myriapoda vorgestellt. Bei Graden unter Null. Die sorgen bekanntlich für einen klaren Kopf … [Robert Mießner]
»Die Bundesrepublik Deutschland« von Frank Witzel, Klaus Walter, Thomas Meinecke
Jubeljahr 2009: 60 Jahre Bundesrepublik, 20 Jahre Mauerfall. Frank Witzel, Klaus Walter und Thomas Meinecke werfen aus der zweiten Reihe einen Blick zurück und rekonstruieren neben der BRD ihre eigenen politischen Biografien … [Kirsten Reimers]
italo.log 99: Simone Cattaneo
Jede Woche präsentieren Theresia Prammer und Roberto Galaverni jeweils ein Gedicht eines/r italienischen Autors/Autorin im Original und in deutscher Übersetzung …
Mordsmäßig Folge 42: »Ich bin kein Serienmörder« von Dan Wells
Seltsame Morde, verschwundene Körperteile und ein Jugendlicher, der sich für einen potenziellen Serienmörder hält. Was anfängt wie ein halbwegs typischer Metzelkrimi, entpuppt sich als unentschiedenes Herumgetappe zwischen Horror-, Serienkiller- und Entwicklungsroman … [Kirsten Reimers]
italo.log 97: Nino Pedretti
Jede Woche präsentieren Theresia Prammer und Roberto Galaverni jeweils ein Gedicht eines/r italienischen Autors/Autorin im Original und in deutscher Übersetzung …
»Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat«
& »Freispruch für den Hund der Baskervilles« von Pierre Bayard
Shakespeare, Balzac, Musil: Weltliteratur, hohes Bildungsgut: geschätzt, verehrt – und nicht gelesen. Zentnerschwer scheint die Last, die auf einen niederzugehen droht, sobald man solche Bücher aufschlägt. Von Langeweile ganz zu schweigen. Der französischen Literaturprofessor und Psychoanalytiker Pierre Bayard plädiert darum für eine respektlosere Aneignung von Literatur … [Kirsten Reimers]
Mordsmäßig Folge 41: »Von Arsen bis Zielfahndung« von Christine Lehmann und Manfred Büttner
Spurensicherung, Bestimmung des Todeszeitpunktes, Obduktionen, Haftbefehle – passionierte Krimileser kennen sich aus mit Polizeialltag und Forensik. Den Y-Schnitt können sie im Schlaf. Aber was in Krimis dargestellt wird, ist oft kriminell weit von der Realität entfernt. Das Handbuch von Christine Lehmann und Manfred Büttner schafft Abhilfe – kenntnisreich, profund und amüsant … [Kirsten Reimers]
Christian Klippel: Es hatte Sinn (1979/1984)
»Es hatte Sinn, in ’ner WG zu wohnen, ZDF zu sehen, TAZ zu lesen, es hatte Sinn, Palästinensertücher, Parkas, Transparente zu tragen. Marx hatte Sinn, Hegel, die Bremer Stadtmusikanten. Alles hatte Sinn.«
Mordsmäßig Folge 40: »Die Studentin« von Christian Schünemann
Zum dritten Mal schickt Christian Schünemann seinen Ermittler, den Starfrisör Tomas Prinz, auf Mörderjagd. Diesmal erkundet der Coiffeur der Extraklasse in seiner dezenten und unaufdringlichen Art das Uni-Milieu und muss feststellen, dass auch im Elfenbeinturm der Literaturwissenschaft Neid und Intrigen gang und gäbe sind – und mancher Geisteswissenschaftler schreckt gar vor Handgreiflichkeiten nicht zurück … [Kirsten Reimers]
Latin.Log Nachschlag: Folge 122-125
Vier Mal lateinamerikanische Lyrik mit Silvana Franzetti, Gabriel Calderón, Antonio José Ponte und Ezequiel Zaidenwerg …
Mordsmäßig Folge 39: »Im Blutrausch« von Rex Miller
Mit »Im Blutrausch« legt die Edition Phantasia den zweiten Roman von Rex Miller vor. Wieder kongenial übersetzt von Joachim Körber, wieder hervorragend blutig, grotesk, eklig und hoch literarisch. Eigentlich wie Millers Debüt »Fettsack«, nur besser – aber das ist leider auch das Problem … [Kirsten Reimers]
Carola Veit: Kraft der Melone. Samuel Beckett im Kino
Es fällt auf, dass ihm vor allem Rollen, die sich auf das Wesentliche reduzieren, beeindrucken. Die Reduktion wird sich auch in späteren Werken von ihm niederschlagen … [Dominik Irtenkauf]
Mordsmäßig Folge 38: »Tokio im Jahr Null« von David Peace
Mit »Tokio im Jahr Null« legt David Peace den ersten Band seiner Tokio-Trilogie vor. Wie schon in seinem preisgekrönten »Red Riding Quartet« macht der britische Autor es weder seinen Figuren noch dem Leser leicht: In knapper, harter Sprache, stakkatohaft, pulsierend, schildert er in angestrengter Grimmigkeit das Leben in den Ruinen Tokios im Jahr 1946 akustisch, olfaktorisch, emotional und psychisch als Hölle … [Kirsten Reimers]
Nick Cave: Der Tod des Bunny Munro
Nick Caves Œuvre war immer schon stark visuell geprägt. Davon leben auch die Filmmusiken, die er mit Warren Ellis schreibt. Und sein zweiter Roman … [Christina Mohr und Robert Mießner]
Mordsmäßig Folge 37: »Der Brenner und der liebe Gott« von Wolf Haas
Sechs Jahre nach »Das ewige Leben« legt Wolf Haas einen neuen Simon-Brenner-Krimi vor. Obwohl damals der Erzähler gestorben ist, fügt sich dieser Roman reibungslos ein in die Reihe der bisherigen Brenner-Krimis. Das ist toll und enttäuschend zugleich … [Kirsten Reimers]
Giwi Margwelaschwili: Der Kantakt.
Claire und Wolfgang bemerken zwar Margwelaschwili als stillen Beobachter, doch können sie sich, da sie Figuren der Buchwelt sind, nicht an ihm vergreifen … [Dominik Irtenkauf]
Kraftvolle Leerstellen, berührende Kälte: »Unruhe« von Julia Leigh
Julia Leigh zählt zu den wichtigsten jungen Autorinnen Australiens. Ihr Debütroman Der Jäger“, der 2002 auch auf Deutsch erschien, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet. Nun liegt auch ihr zweiter Roman vor: »Unruhe« – eine irritierende und verstörend nahgehende Geschichte um Trauer, Abschied und Neuanfang … [Kirsten Reimers]
Verlag sucht Autor
Marc Degens hält Ausschau nach einem Musik liebenden Literaten. Dietmar Dath, Martin Z. Schröder, Iris Hanika, Daniel Ketteler und Enno Stahl kennen ihn nicht …
LOVE, SOFTNESS, MADNESS: Miranda July
Marc Degens hat sich in das Werk von Miranda July verliebt …
Mordsmäßig Folge 36: »Paris Trout« von Pete Dexter
Weil ihm ein junger Schwarzer Geld schuldet, sucht Paris Trout dessen Familie auf und schießt mehrfach auf sie. Ein vierzehnjähriges Mädchen kommt dabei zu Tode – keine große Sache für Paris Trout. Und im Grunde auch kein wirklicher Skandal im Südstaatenörtchen Cotton Point in den fünfziger Jahren. Pete Dexter entwirft in seinem großartigen Roman ein beeindruckendes und verstörendes Sittengemälde der US-Gesellschaft … [Kirsten Reimers]
Mordsmäßig Folge 35: »Die Vipern von Montesecco«, »Die Drachen von Montesecco« und »Die Augen der Medusa« von Bernhard Jaumann
Montesecco ist ein winziges Dörfchen in den italienischen Marken. Fast vergessen liegt es abgelegen in den Bergen, gezeichnet von stillem Verfall. Nur noch siebenundzwanzig Menschen leben hier ständig – zumindest zu Beginn von Bernhard Jaumanns Trilogie. Am Ende werden es deutlich weniger sein … [Kirsten Reimers]
Mordecai Richler: Der Traum des Jakob Hersch
Zu Beginn der 1960er Jahre hat es Jake Hersh zum anerkannten, wenn auch nicht übermäßig künstlerisch ambitionierten Filmregisseur in London gebracht und verbringt mit Frau und Kindern ein mehr oder minder unbeschwertes Leben, ehe ein Skandal seine Existenz zu vernichten droht. Zusammen mit dem Hochstapler Harry Stein wird er beschuldigt, ein deutsches Au-pair-Mädchen sexuell genötigt und vergewaltigt zu haben … [Jörg Auberg]
Mordsmäßig Folge 34:
»Der erste Tropfen Blut« und »Blut und Knochen« von Stuart MacBride
Regen und Blut, kalter Wind und bizarre Verbrechen, geboren aus der Absurdität das schlichten Alltags kennzeichnen die Krimis von Stuart MacBride: hochgrotesk und mit intelligentem, untrüglichem Blick für die tatsächlichen Verhältnisse … [Kirsten Reimers]
Lisa Röper: Polarreise
Soundtrack plus Buch oder Buch plus Soundtrack? Lisa Röper hat beides einfach zusammengepackt und sich auf eine Reise an den Polarkreis gemacht … [Christopher Pramstaller]
Mordsmäßig Folge 33: »Dein Wille geschehe« von Michael Robotham
Via Handy, allein durch Worte treibt ein Unbekannter zwei Frauen in den Tod. Ohne viel Blut und Gemetzel legt Michael Robotham in seinem vierten Thriller um den klinischen Psychologen Joe O’Loughlin ein hochspannendes Buch vor, das einen auf den ersten Seiten ganz perfide bei tiefen Ängsten packt und festhält … [Kirsten Reimers]
Mordsmäßig Folge 32: »Restlicht« von Jochen Rausch
Vor dreißig Jahren verschwand seine Freundin ohne ein Wort. Seitdem ist Peter Bloom besessen: von Astrid, von ihrem Verschwinden, von der Vergangenheit. Ein Roman über das unbewegliche Verharren im Niemandsland der Verdrängung und Verklärung … [Kirsten Reimers]
König ohne Land: Sebastian Horsley - Dandy in der Unterwelt
Als der Blumenbar Verlag ihm mitteilte, dass seine unauthorisierte Autobiographie erst im Juni 2009 erscheinen werde, antwortete Sebastian Horsley: »Ob ich da noch am Leben bin?« Keine Sorge, dieser Tage stellt er das Buch in Berlin und München vor … [Robert Mießner]
Mordsmäßig Folge 31: »Die Herzen aller Mädchen« von Monika Geier
Eine Briefbombe, ein Buch, das aus dem Jenseits diktiert wurde, eine eventuell gestohlene mittelalterliche Handschrift der „Ars amatoria“ von Ovid, die in Gefahr steht, erneut entwendet zu werden, sowie ein kettenrauchender, charmant-melancholischer Buchwissenschaftler machen Kriminalkommissarin Bettina Boll das Leben ebenso schwer wie süß. Der fünfte Kriminalroman von Monika Geier – und einer der besten einer sowieso schon wunderbaren Autorin … [Kirsten Reimers]
Mordsmäßig Folge 30: »Die Zelle« von Charles den Tex
Als er Zeuge eines Autounfalls wird, beginnt die Welt des Amsterdamer Unternehmensberaters Michael Bellicher auseinander zu brechen. Innerhalb weniger Tage ist er eines Verbrechens verdächtig, verliert jegliches Vermögen, ist ohne sein Zutun hochverschuldet – und niemand glaubt seinen Unschuldsbeteuerungen. Datendiebstahl im Internet, Kontrollverlust, Terrorhysterie – dem Niederländer Charles den Tex ist ein ziemlich beklemmend-spannender Thriller vor einem wohl leider sehr realistischen Hintergrund gelungen … [Kirsten Reimers]
Latin.Log Folge 121: Víctor Rodríguez Núñez
Eine neue Folge der von Timo Berger und Rike Bolte betreuten Anthologie lateinamerikanischer Poesie …
Mordsmäßig Folge 29: »Der Mann, der starb wie ein Lachs« von Mikael Niemi
Trotz ekligem, blutreichem Mord, der nach 350 Seiten geklärt ist, ist das aktuelle Buch von Mikael Niemi kein typischer Schwedenkrimi. In seinem Zentrum steht ein anderer Tod: der von Sprache und Kultur der Tornedalfinnen im hohen Nordosten Schwedens. Spannend, skurril, bodenständig, sinnlich und surreal … [Kirsten Reimers]
Mordsmäßig Folge 28: »Der Tod kommt wie gerufen« von Kathy Reichs
Ein menschlicher Schädel, eine Leiche ohne Kopf, Hinweise auf Santería, Satanismus, Hexenkult, dazu ein erzkonservativer christlicher Politiker auf Stimmenfang – eine gefährlich brodelnde Mischung, in der Tempe Brennan in ihrem elften Fall rühren muss, verworren in der Handlung, klar in der Aussage … [Kirsten Reimers]
Die Kunst geht nach Brot
Anspruch, Wirklichkeit und Probleme der Literaturförderung in Deutschland … [Gunther Nickel]
Mordsmäßig Folge 27: »Shakespeares Labyrinth« von Michael Gruber
Zufällig gefundene Briefe aus dem 17. Jahrhundert legen die Vermutung nah, dass es ein unentdecktes Drama von William Shakespeare gibt, womöglich gar in seiner eigenen Handschrift. Eine Sensation. In Kürze jagen zahlreiche Menschen hinter dem Manuskript her. Das hätte der Auftakt zu einer aufregenden Suche werden können. Doch statt intelligenter Spannung gebiert die Geschichte nur gepflegte Banalität … [Kirsten Reimers]
Latin.Log Folge 120: Eduardo Fariña
Eine neue Folge der von Timo Berger und Rike Bolte betreuten Anthologie lateinamerikanischer Poesie …
Mordsmäßig Folge 26: »Sorry« von Zoran Drvenkar
Der Umgang mit Schuldgefühlen, andere um Verzeihung bitten müssen – wie unschön und störend für smarte Geschäftsleute. Wie schön, dass vier Menschen in Berlin eine Agentur gründen, die genau dies anbietet: Entschuldigungen – Entlastung im Überfluss zu einem angemessenen Preis. Alles läuft wunderbar, bis jemand die Agentur damit beauftragt, sich bei Menschen zu entschuldigen, die er gerade umgebracht hat. Danach bleibt nichts mehr, wie es war … [Kirsten Reimers]
Mordsmäßig Folge 25: „Nebenan ein Mädchen“ von Stefan Kiesbye
Ein Sommer Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre in einer norddeutschen Kleinstadt. Unter der blankgeschrubbten Oberfläche mit den bunten Pril-Blumen sind die Folgen des Zweiten Weltkriegs noch zu spüren. Die Menschen sind in ihrem Inneren so vernarbt wie die Landschaft, die mit Bunkern übersät ist. Unter ihnen: Moritz und seine Freunde, die nach diesem Sommer keine Kindheit mehr haben werden. So realistisch und beklemmend geschildert, dass einem die Luft wegbleibt … [Kirsten Reimers]
Anatomie Titus Fall Of Rome (Brigitte Maria Mayer)
Brigitte Maria Mayers filmische Installation nach einem Text ihres Mannes Heiner Müller erzählt von der Gefahr des Triumphs und zeigt, welche Welt vor den Toren Europas liegt. Es ist eine atemberaubend schöne wie verstörende, eine, die auch auf uns Konsumenten schaut. [Robert Mießner]
Mordsmäßig Folge 24: „Piercing“ von Ryu Murakami
Der junge erfolgreiche Werbegrafiker Kawashima wird von Gewaltphantasien verfolgt. Um sie zu befriedigen, plant er akribisch den Mord einer Prostituierten. Doch Chiaki, die Kawashima schließlich bei einer SM-Agentur bucht, reagiert vollkommen anders als erwartet. Denn auch sie wird von inneren Dämonen zu Zwangshandlungen getrieben. Der aktuell erschienene Roman von Ryu Murakami ist ein alptraumhaftes Kammerspiel, kalt, distanziert und von verstörender Gewalt … [Kirsten Reimers]
„Rinforzando – Gedichte und Geschichten“ von René Steininger
René Steininger tritt mit diesem Erstlingswerk als vitalistischer Hungerkünstler ans Licht. Schon der erste Eindruck dieses vom kleinen Vorarlberger Bucher Verlages schön edierten Bandes weist in diese Richtung: schlanke Wortketten wie zum Trocknen aufgehängt, deren Stabilität zunächst ganz fragwürdig scheint. Nach einer Lesung flüstert eine ältere Dame dem jungen Autor ins Ohr: „Sie sind aber kein Mann großer Worte!“ … [Robert Schwarz]
Mordsmäßig Folge 23: „Mariaschwarz“ von Heinrich Steinfest
Im österreichischen Örtchen Hiltroff verharrt seit drei Jahren diszipliniert trinkend Vinzent Olander. Sein Sturz ins schwarze Wasser des nahen Bergsees, ein Seeungeheuer und ein Skelett bringen Kommissar Lukastik dazu, zu hinterfragen, was ist, was war, was sein könnte. Zwingend-abstrus, nervig manieriert und doch fesselnd … [Kirsten Reimers]
Latin.Log Folge 119: Diego Palmath
Anlässlich der Lesung am Freitag, den 20. März in der berliner Lettrétage erblickt eine weitere Latin.Log-Folge die Welt …
Stewart O’Nan: Alle, alle lieben dich
Ein junges Mädchen verschwindet in dem Sommer, bevor sie das Haus ihrer Eltern verlassen und aufs College gehen will, auf dem kurzen Weg zu ihrem Job und taucht nie wieder auf … [Martin Jankowski]
Mordsmäßig Folge 22: „Lebenslänglich“ von Philipp Moog
Klein, dick, blass, mit rötlichem Haar – der namenlose Bankangestellt rangiert ganz unten in der Hierarchie der potenziellen Geschlechtspartner. Um seine Chancen bei den Kolleginnen zu verbessern, wählt er einen ganz eigenen Weg. Ein kleiner, feiner, bitterböser Roman über den Versuch, geliebt zu werden … [Kirsten Reimers]
italo.log 55: Gregorio Scalise
Jeden Sonntag präsentieren Theresia Prammer und Roberto Galaverni jeweils ein Gedicht eines/r italienischen Autors/Autorin im Original und in deutscher Übersetzung …
Giwi Margwelaschwili: Der Tod des alten Lesers. Erzählungen
Trotz seines Alters arbeitet Giwi Margwelaschwili konstant an seinem ,Programm‘ weiter: der Ontotextologie, die soviel besagt, daß Personen in Büchern nicht nur die ihnen zugeschriebenen Rollen einnehmen, sondern weitergehende Interessen verfolgen. Wie genau diese ausschauen, ist Thema seines neuen Erzählbandes „Der Tod des alten Lesers“ … [Dominik Irtenkauf]
Mordsmäßig Folge 21:
„Das Mörderische neben dem Leben“ von Thomas Wörtche
Kriminalliteratur ist weltweit die meistgelesene Literatur und gleichzeitig die Literatur, die am wenigsten ernst genommen wird – als Literatur. Doch zum Glück gibt es Thomas Wörtche. Seit Jahrzehnten reflektiert und urteilt der Krimipapst über Krimis und Kriminalliteratur. Im Schweizer Verlag Libelle sind erstmals Aufsätze, Artikel, Vorträge aus rund fünfzehn Jahren erschienen … [Kirsten Reimers]
Mordsmäßig Folge 20: „Verstummt“ von Karin Slaughter
Vergewaltigte Mädchen, denen die Zunge herausgebissen wurde, eine ermordete Prostituierte, die in grotesker Stellung in einer Blutlache vor ihrer Haustür gefunden wird. Missbrauch, Drogen, von Gewalt gezeichnete und zerstörte Leiber und Leben – Karin Slaughter schreibt keine Thriller für Menschen mit schwachem Magen. Sie erhebt den Anspruch, mit ihren Büchern auf soziale Missstände hinzuweisen. Aber auf welche? [Kirsten Reimers]
Mordsmäßig Folge 19: „Deine Augen hat der Tod“ von James Sallis
Es beginnt wie ein klassischer Spionageroman: Dave, Agent für eine namenlose Regierungsorganisation, wird nach Jahren der Ruhe wieder reaktiviert, um einen Agenten aufzuspüren, der offenbar Amok läuft. Doch als er sich auf die Suche nach dem anderen begibt, wird aus dem Thriller ein Roadmovie, eine Reise nach innen: ins Herz Amerikas, in die Vergangenheit des Agenten, poetisch und rasant zugleich … [Kirsten Reimers]
Franziska Augstein: Von Treue und Verrat. Jorge Semprún ...
Franziska Augstein feiert Semprún als Individuum, dessen bemerkenswerte Biografie zugleich exemplarisch und herausragend für ein Leben im 20. Jahrhundert zu stehen scheint … [Jörg Auberg]
Mordsmäßig Folge 18: „Grabesgrün“ von Tana French
Eine geschändete Kinderleiche auf einem urzeitlichen Opferaltar, ein Ermittler mit einem dunklen Geheimnis – was auf den ersten Blick wie Dutzendware wirkt, entwickelt eine beeindruckende Tiefe und Intensität weit entfernt von jedem Blutstromdebakel. Tana French spielt mit Krimierwartungen und -elementen, um gekonnt zu enttäuschen und zu begeistern … [Kirsten Reimers]
Latin.Log Folge 115: Diana Lichy
Latin.Log Folge 114: Rafael Muñoz Zayas
In dieser Woche präsentieren Rike Bolte und Timo Berger noch einmal ausgewählte Lyrik aus Lateinamerika …
Mordsmäßig Folge 17: „Fettsack“ von Rex Miller
Der Alptraum des Bürgertums, die fleischgewordene Perversion, der personifizierte Tod – er terrorisiert Chicago und meuchelt Menschen ohne Gnade: Fettsack Daniel „Chaingang“ Bunkowski. Ein bluttriefender Splatterroman, ästhetisch und moralisch kompromisslos – und literarisch umwerfend … [Kirsten Reimers]
Mike Mignola, Christopher Golden: Baltimore
Mike Mignola, Hellboy-Schöpfer und Meister des Grusel-Comics, hat zusammen mit Christopher Golden die Vampir-Gothic Novel „Baltimore, oder, Der Standhafte Zinnsoldat und der Vampir“ geschaffen … [Felix Giesa]
Mordsmäßig Folge 16: „Lebenslügen“ von Kate Atkinson
Ein altes Verbrechen, eine verschwundene Frau, ein Zugunglück, eine unklare Vaterschaft und grundlegende Romane der englischsprachigen Literatur, aber auch einige zentrale Texte der Antike verwirren sich zu einem Verbrechen. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht … [Kirsten Reimers]
Mordsmäßig Folge 15: „Vita Nuova“ von Magdalen Nabb
Una „vita nuova“, ein neues Leben, das suchen gleich mehrere Personen in Magdalen Nabbs letztem Kriminalroman um den Maresciallo Salvatore Guarnaccia. Für manche ist es eine Flucht, für andere ein Exil, für wieder andere eine Hoffnung. Die einen sind erleichtert, dass es nicht Wahrheit wird, für andere entpuppt sich der Traum als Albtraum … [Kirsten Reimers]
Kinderbuch: Bilderbücher für Groß und Klein (II)
Felix Giesa stellt in der Vorweihnachtszeit elf Bilderbücher vor. Dabei wird es um siebenköpfige Drachen, seltsame Omas, „das Heidi“, Panther, die keine Vegetarier sein wollen, komische Löcher oder auch die „Farbe“ Schwarz gehen …
Die Kinderbuchreihe des KOOKbooks-Verlags
Was ist das für ein Verlag, der sich in einem so hart umkämpften Markt wie dem Kinderbuchmarkt behaupten kann und dann auch noch mit jeder Veröffentlichung einen Preis absahnt? [Felix Giesa]
Mordsmäßig Folge 14: „Kreuzigers Tod“ von Peter Oberdorfer
Franz Kreuziger wird mit einer Axt im Kopf gefunden. Wer hätte ein Interesse daran, diesen scheuen, verschüchterten Mann umzubringen? Und dazu noch auf eine so archaisch-gewaltvolle Art? Doch an Verdächtigen mangelt es tatsächlich nicht – ebenso wenig an verschrobenen Charakteren, obskuren Begebenheiten und einem morbid-untergründigen Humor … [Kirsten Reimers]
Kinderbuch: Bilderbücher für Groß und Klein
Felix Giesa stellt in der Vorweihnachtszeit elf Bilderbücher vor. Dabei wird es um siebenköpfige Drachen, seltsame Omas, „das Heidi“, Panther, die keine Vegetarier sein wollen, komische Löcher oder auch die „Farbe“ Schwarz gehen …
Nachruf auf Bruno Runzheimer (1947-2008)
Mit grüner Tinte waren seine Briefe stets unterschrieben, und der letzte Satz lautete immer „bleib mir gewogen“ … [Ní Gudix]
Mordsmäßig Folge 13:
„Der Frisör“ & „Der Bruder“ von Christian Schünemann
Eine erschlagene Beauty-Redakteurin und ein ertränkter Maler – zwei Fälle, zwei Bücher, ein Ermittler: Tomas Prinz, Frisör. Eher unabsichtlich rutscht der Mann mit dem unbeirrbaren Blick für Frisuren und Haarbeschaffenheiten in die Aufklärung der Todesfälle hinein. Zwei Whodunits zwischen Glätteisen und Kokosextrakt … [Kirsten Reimers]
Kinderbuch: Pop-up-Bilderbücher
Pop-up-Bilderbücher sind seit einiger das ganz große Ding auf dem Bilderbuchmarkt. Der modernen Papierverarbeitung gelingen immer neue Papierfaltwunder … [Felix Giesa]
Latin.Log Nachschlag 2: Kattia Piñago Pinto
Anlässlich der diesjährigen LATINALE (15. – 23. November) präsentieren Timo Berger und Rike Bolte noch einmal fünf ausgewählte DichterInnen aus Lateinamerika …
Der aktive Leser: Ein Portrait des Autors Dato Barbakadse
Für die Dichtung des Georgiers ist seine eigene Übersetzungsarbeit aus dem Deutschen von nicht geringer Bedeutung. Nach eigener Aussage dienten ihm diese Arbeiten zur Emanzipation von den genannten Dichtern … [Dominik Irtenkauf]
Lob des Taifuns – Haikus von Durs Grünbein
Der japanische Dichter zählt Laute, der europäische Silben. Übertragbar ist das nicht. Deshalb ist sklavische Formstrenge im deutschen Haiku ein Zahlen in falscher Währung … [Frank Milautzcki]
Jack Black: Der große Ausbruch aus Folsom Prison
Der Outlaw ist eine Bedrohung nicht durch sein Tun, sondern durch die innere Freiheit, seine Losgelöstheit von Recht und Ordnung, die er verkörpert und muß deshalb erniedrigt und in seinen Grundfesten geschleift werden … [Frank Milautzcki]
Buchexistenzen in Krimis und Zuschauerräumen
Was passiert, wenn Buchinhalte in die Realwelt eingehen? Besitzen die Figuren aus literarischen Texten auch eine Existenzberechtigung außerhalb der Buchseiten? Ein Porträt des Autors Giwi Margwelaschwili … [Dominik Irtenkauf]
Allan Bennett: Die souveräne Leserin
Das Buch ist die Unabhängigkeitserklärung einer noch unmündigen Schar von Lesern. Fast scheint es, als wolle er uns zurufen: Leser aller Länder vereinigt euch … [Guido Rohm]
Knödel aus einem vergessenen Gedichtband
Wir tranken Wodka mit Pampelmusensaft, Wodka mit Apfelsinensaft, Wodka mit Apfelsaft, Wodka mit Wodka. „Wodka auf Eis ist was für Weicheier“, sagte Adam … [Timo Berger]
Buchmesse Frankfurt 2008: Belletristik
Ist die Frankfurter Buchmesse die eigentliche PopKomm? Anhand des Popstaraufgebots (Bohlen, Bushido, Strunk, Roche und viele andere) konnte man das beinah glauben... hier kommen poppige Romane, Short Story-Sammlungen und fast wahre Geschichten von Sven Regener, Thomas Meinecke, Klotz & Dabeler und anderen … [Christina Mohr]
Mordsmäßig Folge 12: „Tiburn“ von Iain Levison
Ein intelligenter Gewaltverbrecher versteckt sich im Haus eines jungen Geschichtsprofessors. Auf ihrer Suche nach dem flüchtigen Bankräuber kommt eine FBI-Agentin hinzu – und schon ist sie bereitet: die Ausgangssituation für einen kleinen rotzigen und sehr amüsanten Thriller … [Kirsten Reimers]
Melancholie und Dissidenz: Leonard Cohen - Buch der Sehnsüchte
Natürlich nützt die Liebe nichts nur in Gedanken. Dann aber will von ihr gesungen werden. Leonard Cohen tut dies seit Jahrzehnten, ob auf Platte oder in seinen Büchern. Er hat auch noch mehr zu sagen. Das »Buch der Sehnsüchte« wird mindestens bis zum nächsten Frühjahr auf dem Nachttisch liegen und nicht einstauben … [Robert Mießner]
Mordsmäßig Folge 11: „Leichenraub“ von Tess Gerritsen
Beim Graben im Garten ihres neuen Hauses entdeckt Julia Hamill menschliche Knochen. Offensichtlich handelt es sich um eine Frau, die um 1830 erschlagen und dann hier verscharrt wurde. Die Spuren führen zu einem unheimlichen Serienmörder des 19. Jahrhunderts und hinein in die Geschichte der Medizin … [Kirsten Reimers]
Mordsmäßig Folge 10: „abgemurkst. Maggie Abendroth und das gefährliche Fischen im Trüben“ von Minck & Minck
Eine abgetrennte männliche Hand, die auffällige Häufung von Unfalltoden männlicher Mitmenschen – und dazwischen Maggie Abendroth: Drehbuchautorin im Bochumer Exil mit Liebeskummer und schön schrägen Freunden. Wider Erwarten ein richtig witziger Whodunit mit perfektem Timing … [Kirsten Reimers]
Mordsmäßig Folge 9: „Schlaf nicht zu lange“ von John Harvey
Eine verschwundene Frau, die plötzlich wieder auftaucht – erwürgt, aber liebevoll zur Ruhe gebettet; ein alter Fall, der wieder aufgerollt wird; drei Verdächtige, von denen jeder die Erwachsenenversion des verhaltensgestörten Jungen sein könnte, der vor dreißig Jahren vielleicht von seiner Mutter missbraucht wurde und heute immer noch auf der Suche nach mütterlicher Liebe zu sein scheint … [Kirsten Reimers]
Uwe Tellkamp: Der Turm. Geschichte aus einem versunkenen Land
Der Gegenstand des Romans, das sind die Widersprüche zwischen hoher Kultur und realem Sozialismus, Geist und Ideologie, individueller Selbstbehauptung und gesellschaftlicher Unterwerfung in der dekadenten Endphase der DDR. Hier wird ein Stück jüngster deutscher Geschichte in einer Komplexität erzählt, wie es literarisch bisher nur selten gelang … [Martin Jankowski]
Mordsmäßig Folge 8: »Sieben Tage« von Jonny Glynn
Sieben Tage bleiben Peter Crumb noch. Dann ist er tot. Sieben Tage, während derer für ihn keine Grenzen mehr gelten, es keine moralische Zurückhaltung mehr gibt. Mordend und prügelnd zieht er durch London, auf der Suche nach dem nächsten Opfer, nach Drogen, nach Erniedrigung. Schockierend, ekelerregend und verdammt gut … [Kirsten Reimers]
Mordsmäßig Folge 7: »Der 13. Brief« von Lucie Klassen
Lieber Bochum als Bielefeld, denkt sich Lila, als sie gegen die Pläne ihrer Eltern aufmuckt und das Jurastudium gar nicht erst antritt. Stattdessen mogelt sie sich in eine Privatdetektei ein und ermittelt bald undercover in ihrem ersten Fall: der fragliche Selbstmord einer jungen Schülerin … [Kirsten Reimers]
Will Self: Dorian. Eine Nachahmung
Während es bei Wilde noch zentral um die psychologische Verführung ging, um die philosophische Frage nach dem Verhältnis von Ästhetik und Ethik, stehen bei Self ganz allein der Körper und die körperliche Zerstörung im Mittelpunkt … [Anne Hahn]
Der Sonnenküsser. Im Gespräch mit Jürgen Landt
Anfang des Jahres erschien mit „Der Sonnenküsser“ das Roman-Debüt Jürgen Landts, der in den letzten zwanzig Jahren vor allem in der Kurz-Prosa brillierte. Das erste längere Werk des norddeutschen Autors fokussiert eine Kindheit im Mecklenburg-Vorpommern in den 1960ern … [Ronald Klein]
Mordsmäßig Folge 6: Schwarzer Sommer von Camilla Way
„Als der Sommer in jenem Jahr zu Ende ging, waren drei von uns tot.“ Mit diesen Worten schickt Camilla Way ihre Leser auf die staubigen, glühenden Straßen Londons im heißen Sommer 1986. Und jeder Schritt führt weiter in eine Katastrophe. Ein verstörender, bedrängender Psychothriller … [Kirsten Reimers]
Mordsmäßig Folge 5: Die Haut, in der ich wohne von Thierry Jonquet
Ein Schönheitschirurg hält eine junge Frau gefangen. Ein Bankräuber ist auf der Suche nach einer neuen Identität. Ein junger Mann ist seit Jahren in einem Keller angekettet. Diese drei Handlungsstränge verwebt Thierry Jonquet kunstvoll zu einem beängstigenden Thriller, der seine Leser wie ein Netz gefangen nimmt – aber letztlich nicht festhält … [Kirsten Reimers]
Das Künstlerdrama in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur
Über Wolfgang Bauers „Change”, Albert Ostermaiers „The Making of.. B-Movie“, Rainald Goetz’ „Jeff Koons“ und Falk Richters „Gott ist ein DJ“ … [Gunther Nickel]
Norbert Kron: Der Begleiter
Es geht um Sinnliches und Sinn. Wozu lebt die reiche Frau? Was kann sie mit Reichtum bewirken? Wie sinnlich ist bestellte Liebe? Wieviel Nähe kann ein verletzter Mensch ertragen? Oder kaufen … [Anne Hahn]
Kinderbuch: Marie-Thérèse Schins: Eine Kiste für Opa
In Zeiten der „radikalen Enttabuisierung des Todes“ sind es gerade immer wieder Kinderbücher, die das Thema Sterben aufgreifen und so einen wichtigen Gegenpol zur „Endlichkeit als Selbstverwaltungsakt“ liefern … [Felix Giesa]
Benjamin Kunkel, Keith Gessen (Hg.): Ein Schritt weiter. Die n+1-Anthologie
„n+1“, das im Herbst 2004 begründete New Yorker „Journal für Politik, Literatur und Kultur“ von dem es seither 6 Ausgaben gibt, wurde wegen seiner provokanten Autoren, die zumeist über Harvard- und Yale-Abschlüsse verfügen und zudem eine gediegene europäische Kulturbildung ihr Eigen nennen, rasch bekannt und als das intellektuelle enfant terrible der New Yorker Szene berühmt … [Martin Jankowski]
Olja Savičević: Augustschnee. Erzählungen.
Ihre Sätze sind erweiterte Lyrik, ihre kurzen Geschichten schillern wie Diamanten. Olja Savičević ist eine Entdeckung, die das Herz weitet … [Anne Hahn]
Donna Leon: Lasset die Kinder zu mir kommen
Was ist geschehen, wenn schwerbewaffnete Carabinieri die Wohnung eines angesehenen Kinderarztes stürmen und ihm sein achtzehn Monate altes Baby entreißen? Ein neuer Fall für Commissario Brunetti … [Kirsten Reimers]
Marjaleena Lembcke, Heike Ellermann: Der Gänsegeneral
Kriegsliteratur für Kinder sieht sich einer Reflexhandlung ausgesetzt: Krieg und Gewalt sollen keine Themen für Kinder sein. Ihnen aber die Auseinandersetzung mit diesem Thema zu verbieten, heißt Kindern eine Kompetenz zur Entschlüsselung allgemein präsenter Gesellschaftsmuster vorzuenthalten. Das Bilderbuch „Der Gänsegeneral“ ist ein gelungenes Beispiel, wie eine kindgerechte Darstellung gelingen kann … [Felix Giesa]
Peter Kurzeck: Ein Sommer, der bleibt
In dem Hörbuch erzählt Peter Kurzeck von seiner Kindheit auf dem Dorf – oder besser, wie es der Untertitel ganz richtig suggeriert: Er „erzählt das Dorf … [Tina Manske]
Edo Popović: Kalda. Roman.
So schnoddrig und brutal sein Autor ihn auch durchs Leben stolpern lässt, er fängt ihn immer wieder auf. Welche Überraschungen der Roman bereithält, soll hier nicht verraten werden, vertrauen Sie sich Popović an … [Anne Hahn]
Michael Chabon: Die Vereinigung jiddischer Polizisten
In wenigen Wochen fällt Sitka, jüdischer Distrikt in Alaska (Amtssprache: Jiddisch) wieder an die USA zurück. Da stört ein ermordeter Junkie, der womöglich der Messias war … [Kirsten Reimers]
Virginia Woolf: Die Feder wittert die Fährte
Besonders wertvoll sind die Beschreibungen der Autorin, die Einblick in ihre eigene Werkstatt erlauben. Wann beginnt ein schöpferisches Leben? [Anne Hahn]
Olaf neopan Schwanke: Verse. Voll. Jetzt.
Das Wissen darum, dass auch der geilste Augenblick oft nur für ein Auge ausreicht, ist es, das ein Lamentieren übers Altern verhindert, das aus Mythen mythologics macht … [Crauss]
Jörg Albrecht: Sternstaub, Goldfunk, Silberstreif.
Und wenn sich am Ende die Fußnotensternchen gar in wahre Sternbilder auflösen, ist der Himmel der deutschen Popliteratur erreicht … [Martin Jankowski]
Alexander Graeff: Gedanken aus Schwerkraftland
Es ist eine Freude, an Graeffs Spaziergängen durch Gedankenländer teilzunehmen, wenn auch manchmal das Bedürfnis aufkommt, etwas stärker an der Hand genommen zu werden … [Dominik Irtenkauf]
Mordsmäßig Folge 2
Eine ermordete Turiner Bankiersfrau im Nutten-Outfit, mehrere bizarre Morde in St. Pauli und ein toter Rentner: drei Kriminalromane, drei Debüts und drei äußerst unterschiedliche Autoren … [Kirsten Reimers]
Kinderbuch: Antje Damm: Räuberkinder
Antje Damm stellt uns zwei Geschwister vor, ein Mädchen und einen Jungen. Und die benehmen sich so gar nicht, wie das die Mütter und Väter von PISA und Kopfnoten wahrscheinlich gerne hätten: Ihr Ziel heißt ,Lust’ und das Ergebnis ist Anarchie … [Felix Giesa]
Mordsmäßig Folge 1
Die neue Krimikolumne auf satt.org. Den Auftakt machen drei Bücher von vier Autoren, die im angloamerikanischen Raum zum Teil sehr populär, hierzulande aber nur wenig bekannt sind: „Abzocker“ von Lawrence Block, „Flop“ von Ken Bruen und Jason Starr sowie „Abschied ohne Küsse“ von Allan Guthrie … [Kirsten Reimers]
Thomas Backs im Gespräch mit Judith Liere
„Klar hätte ich Cobra auch eine Demo gegen Praktikantenausbeute organisieren lassen können – aber ich finde diese Entscheidung im Privaten, diese „Kapitulation“ im Tocotronic’schen Sinne, viel nachvollziehbarer.“
Kinderbuch: Heinz Janisch und Isabel Pin: Eine Wolke in meinem Bett
Heinz Janisch ist so etwas wie der Lyriker unter den deutschsprachigen Kinderbuchautoren. Was liegt da näher, als das dieser Sprachpoet ein Buch zusammen mit einer der aktuell vielversprechendsten Bilderbuchillustratorinnen macht? [Felix Giesa]
Franz Dobler: Aufräumen
Seit Erscheinen seines ersten Romans „Tollwut“ sind 17 Jahre vergangen – nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen, schließlich ließ Thomas Pynchon eine ebenso lange Pause zwischen „Gravity’s Rainbow“ und „Vineland“. Gerald Fiebig bespricht den neuen Roman von Franz Dobler und interviewt den Autor …
Die Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2008
Seit letztem Jahr finden sich Comics auf den Nominierungslisten. Auf den ersten Blick ist dies für den Comicfreund sehr erfreulich! Doch bei genauerer Betrachtung offenbart sich ein Dilemma sowohl für den Jugendliteraturpreis als auch für den Comic in Deutschland … [Felix Giesa]
Triumph der Rache: Joachim Wilhelm von Brawe
Vor 250 Jahren starb mit gerade 20 Jahren der Dramatiker Joachim Wilhelm von Brawe in Dresden. In seinen Stücken bringen fundamentalistische Rächer die bürgerliche Gesellschaft ins Wanken … [Frank Fischer]
Das Kapital von Karl Marx als Hörspiel
Rimini-Protokoll. Sie machen Theater, weil sie das Theater nicht mögen, sie produzieren vermutlich auch aus diesem Grund jährlich mindestens ein Hörspiel. Ihr aktuelles Stück, „Karl Marx. Das Kapital. Erster Band“, wurde nun mit dem diesjährigen Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet … [Anke Wülpern]
Wer ist on, wer ist off? Le Off du livre de Bruxelles.
Zeitgleich zur belgischen Buchmesse in den Brüsseler Messehallen Tour & Taxis fand vom 4. bis 9. März 2008 in einem linken Kulturzentrum nur ein paar Schritte von den Offiziellen entfernt, die erste Ausgabe der alternativen Buchmesse LE OFF statt … [Adrian Kasnitz]
Buchmesse Leipzig - musikliterarisches Resümée
Die Leipziger Buchmesse ist vorbei und hinterlässt jede Menge Altpapier - aber natürlich auch lesenswerte Bücher in großer Zahl! Christina Mohr war vor Ort und hat ein paar Musikbücher eingepackt …
Stimmen zum Latin.Log
Mehr als zwei Jahre lang verfolgte und publizierte Latin.Log aktuelle Poesie aus Mexiko, Mittel- und Südamerika und der Karibik. Die elektronische Anthologie versammelt 111 Gedichte in ihrer spanisch- oder portugiesischsprachigen Originalfassung, dazu gibt es meist dicht am Original angesiedelte Übertragungen ins Deutsche …
Kinderbuch: Ein Pinguin kommt selten allein
Tiere spielen in Kinderbüchern seit jeher eine große Rolle, ermöglichen sie doch, Geschichten durch die animalischen Figuren mit Distanz zu erzählen. Seit einiger Zeit scheint es jedoch saisonal bedingt Vorlieben für eine Gattung zu geben … [Felix Giesa]
Neue Berliner Lyrik
Fragender Frühling, Denkerherz mit Dichterschnauze, verreiste Wörter. Zu neuen Gedichtbänden von Tom Bresemann, Rainer Stolz und Michael Speier … [Martin Jankowski]
Léda Forgó: Der Körper meines Bruders
Die Sätze, die sie formt und die bildhaften Szenen, die sie baut, sind eigenwillig und nicht immer elegant, aber eben deshalb besitzt diese besondere Art des Erzählens eine eigene Würze … [Martin Jankowski]
Marc Buhl: drei sieben fünf. Roman.
Die Sprache Marc Buhls ist zart und konkret. Hart und gemein, wo von Folter und Verhör die Rede ist. Leise, wo die Liebe Platz findet, melancholisch und poetisch … [Anne Hahn]
italo.log: Italienische Lyrik von 1968 bis heute
Heute startet auf satt.org das italo.log, das von nun an jeden Sonntag jeweils ein Gedicht eines/r zeitgenössischen italienischen Autors/Autorin im Original und in deutscher Übersetzung veröffentlichen wird. Wir sind überzeugt, daß die von Theresia Prammer und Roberto Galaverni herausgegebene Lyriksammlung ebenso viele Leser wie das Latin.Log oder das von Ron Winkler herausgegebene Lyrik.Log begeistern wird …
Kleine Bücherschau
Die Leipziger Buchmesse wirft ihre Schatten voraus: ab Mitte März werden wir über Neuerscheinungen aus dem weiten Feld des Musikbuchgenres berichten. Vorab - aber viel mehr als nur Zwischenprogramm - eine Aus- und Nachlese bereits erschienener Titel von Dietmar Dath/Daniela Burger, Evelin, John Niven, Charlotte Roche, Richard Williams, Legs McNeil/Gillian McCain und ein Sonderband zur Musikphilosophie aus der Reihe text + kritik … [Christina Mohr]
Kinderbuch: Patrick Lenz: Tom und der Vogel
„Eine Bildergeschichte über Einfühlen, Loslassen und Träumen“ vermerkt der Covertext. Patrick Lenz’ Bilderbuch „Tom und der Vogel“ ist allerdings keinesfalls eine verträumte Geschichte. Lenz erzählt nur mit Bildern und bedient sich dabei gekonnt Erzählstrategien sowohl der Film- als auch der Comickunst … [Felix Giesa]
Jürgen Landt: der sonnenküsser
Nach acht Büchern voller Kurzgeschichten legt Jürgen Landt seinen Debütroman vor, den ersten Teil einer Lebensgeschichte, Kindheit und Jugend umfassend. Der Ich-Erzähler Peter Sorgenich, der bereits in einigen Landtschen Kurzgeschichten auftaucht, ist mit dem Autor identisch … [Rüdiger Saß]
Latin.Log Folge 111: Daniel García Helder
Nach über zwei Jahren wöchentlicher Gedichte aus Lateinamerika verabschiedet sich das Latin.Log mit dieser Folge. satt.org sagt "Danke schön!" …
Kinderbuch: Hermann Schulz, Tobias Krejtschi: Die schlaue Mama Sambona
Den Tod in der Kinder- und Jugendliteratur zu thematisieren ist nicht neu. Autor Hermann Schulz nun versucht für das Bilderbuch „Die schlaue Mama Sambona“ einen Mittelweg zwischen drastischer Darstellung und romantisierender Aufbereitung zu beschreiten … [Felix Giesa]
Das Beste zum Schluß ...
Endlich hat sich der satt.org-Literaturredakteur entschieden: Hier die Listen mit seinen liebsten Büchern aus dem Jahre 2007 – und ein erfreulicher Ausblick … [Marc Degens]
Kinderbuch: Antoinette Portis: Das ist kein Karton!
Ein Karton ist nicht einfach nur eine bloße Aufbewahrungsmöglichkeit oder Verpackung. Zumindest in dem herrlichen Bilderbuch „Das ist kein Karton!“ der Amerikanerin Antoinette Portis. Mit einfachsten graphischen Mitteln erzeugt sie ein eindrucksstarkes Bild kindlicher Imagination und Spielfreude … [Felix Giesa]
Musikbücher Weihnachten 2007
Die letzte Bücherschau des Jahres 2007 legt lesenswerte Romane, informative Sachbücher und einen ambitionierten Fotoband unter den Weihnachtsbaum: Robert Mießner und Christina Mohr testlasen Joe Boyds "White Bicycles", Michael Walkers "Laurel Canyon", "All that Jazz" von Michael Jacobs und last but not least "Too much Future" von Boehlke/Gericke …
Lorenz Schröter: Das Buch der Liebe
Eine lustige Mischung aus 80er-Jahre-Trash, Sex-und-Gewalt-Manga samt Transmutationen sowie Midlife-Crisis-Therapie, wie sie bunter und kruder auf Kurzromandistanz kaum vorstellbar ist … [Stan Lafleur]
ZwischenBildTexte | Hybrid und lieb
Der Miniaturtext „Wo ich schon mal war, und wo ich mal hin will.“ wird von einem dreibeinigen, quasi verkehrt in der Luft stehenden Vogel begleitet. Unter ihm drei Wolken. Weiters drei Farbklekse, vielleicht Blumen? Wo könnte man hinwollen, angesichts dessen? Gibt’s Wünsche in diesem Luft-Raum, in dem die Vögel nicht mehr fliegen wollen? Man überlegt. Und Text und Bild beginnen zu wirken … [Ilse Kilic]
Stefan George. Die Entdeckung des Charisma
Wer hätte gedacht, daß Stefan George aufgrund seiner Ablehnung Amerikas keine Ananas aß, daß er in früheren Jahren im Laufe eines Vormittags oft eine ganze Flasche Wein leerte und zeitlebens Dialekt sprach. „Wutz“ und „Hinkel“ ... Das paßt so gar nicht zum Bild des dämonischen Dichterfürsten mit dem medusenhaften Blick aus den tiefen Augenhöhlen … [Marc Degens]
Myriam Keil: ein platz am fenster. Gedichte
Wer große Flächen der Welt wie Myriam Keil mit Sanftmut und Zärtlichkeit anschaut, kann das Leben nicht entwerten mit Stempeln und Etiketten - Klarheit und Liebe haben denselben Blick … [Frank Milautzcki]
Notverkauf aus Diskursmasse – Ein parteiischer Rundblick über aktuelle Lyrik-Neuerscheinungen
Die Art des poetologischen Streits, wie er in Bella Triste geführt wird, erinnert fatal an die Scheindiskussionen auf der politischen Bühne: als müsste man sich da entscheiden zwischen der Parteinahme für „die 68er“ oder die Bewahrer traditioneller Werte … [Gerald Fiebig]
Janosch über die Rückseiten seines Erfolges
In „Reden Sie Tacheles, Herr Janosch!“ spricht der beliebte Autor und Zeichner mit dem Journalisten Jörg Merk ungewohnt offen über die Kehrseite der scheinbar heilen Panama-Welt sowie über die Hintergründe der Janosch-Aktiengesellschaft … [Hans Ravensburger]
Musik zum Lesen: Buchmesse – Nachklapp IV
Und noch eine Buchmessen-Nachlese, bei der wir im Galopp essenzielle Neuerscheinungen mitnehmen. Mit dabei: Thomas Meinecke, Tom Tonk, Wolfgang Müller, Dirk von Lowtzow, Biografien über Beck und Glenn Gould, das neue, noch nicht auf Deutsch erschienene Buch von Simon Reynolds und das "Taktlos"-Musiklesebuch … [Marc Degens | Christina Mohr]
Sonja Eismann (Hrsg.): Hot Topic. Popfeminismus heute
Die Feuilletons diskutieren übereifrig sogenannte Frauenthemen - die sich doch meist in der Erörterung der Frage "Familiengründung oder Karriere?" erschöpfen. Sonja Eismann, ehemalige Intro-Redakteurin, hat den Reader "Hot Topic" herausgegeben, der zeigt, wie die Lebensrealitäten von Frauen jenseits mainstreamiger Wahrnehmung aussehen … [Christina Mohr]
Frank Apunkt Schneider: Als die Welt noch unterging
John Robb: Punk Rock. Die ganze Geschichte
Der Ventil Verlag brachte pünktlich zur Buchmesse gleich zwei Titel heraus, die sich auf höchst unterschiedliche Weise mit dem Thema Punk befassen. John Robb, ehemaliger Frontmann der legendären Membranes interviewte hunderte britischer Punkprotagonisten und faßte deren Erinnerungen in "Punk Rock" zusammen. Frank Apunkt Schneider hat ein Mammutwerk über Punk in Deutschland und die NDW geschrieben: "Als die Welt noch unterging" … [Christina Mohr]
Keine versteckte Botschaft. Ein Gespräch mit Peter Hein
Peter Hein hat mit den Fehlfarben deutsche Punkrockgeschichte geschrieben - vor allem wegen der von Hein geschriebenen Texte, auf die sich bis heute fast alle deutschen Indie-Bands beziehen. Es ist also nicht allzu überraschend, daß es nun ein Buch von Peter Hein gibt. "Geht so" heißt es und hat (kaum) etwas mit Punk zu tun - und das ist dann doch wieder überraschend … [Christina Mohr]
Diesseits und jenseits des Skandals. Literaturvermittlung als zunehmende Inszenierung von Paratexten
Kennen Sie das "Koks-Bengelchen" der jungen deutschen Literatur? Haben Sie schon mal ein "Literaturluder" gesehen? Und was stellen Sie sich unter "Fräulein-Plunder" vor? Die Antwort auf diese Fragen führt weniger zu skandalösen Dimensionen der Literatur als solchen der Literaturvermittlung; sie betrifft das alltägliche Geschäft der Vermittlung und Vermarktung von Literatur in der Mediengesellschaft … [Marc Reichwein]
Guy Helminger: Morgen war schon
Direkt die erste Szene spielt sozusagen vor meiner Haustür, auf dem Parkplatz der Galopprennbahn in Köln-Weidenpesch. Das bewegt. Nicht jeder Roman beginnt vor meiner Haustür … [Stan LaFleur]
personenschaden! /chronologie einer lektüre
Florian Neuner zitat anfang prosa: in schöppingen liegt schnee. ein trüber, regnerischer novembertag, daneben eine notiz: „lohaus/ text-gender“. dass es sich um eine prosa handelt, wird behauptet, sagt aber wenig über das buch … [Crauss]
Buchmesse-Nachlese Teil I: Musik zum Lesen
Die Frankfurter Buchmesse hat ihre Pforten geschlossen - was bleibt? Auf jeden Fall der Eindruck, daß das Musikbuch - egal ob Biografie, Bildband, Sachbuch oder Roman - unverändert im Trend ist. Hier eine erste kleine Auswahl mit Büchern von Rob Sheffield, Pannonica de Koenigswarter, Ute Röller und Peter Guralnick … [Christina Mohr]
Gerhard Jaschke: Anfänge Zustände
Gerhard Jaschke ist in „Österreich weltbekannt“ – nun ist ein Buch erschienen, das der Vielseitigkeit Jaschkes Rechnung trägt und nicht nur Lyrik und Prosa, sowie ein Stück mit verteilten Rollen, sondern auch Visuelle Poesie und Bildnerische Arbeiten beinhaltet … [Ilse Kilic]
Artur Landsberger: Liebe und Bananen. Eine wilde Sache
Neben der gekonnten Porträtierung der unseligen preußischen Tradition in der Polizei und dem Untertanengeist in der Gesellschaft, entlarvt der Roman die Mechanismen der Filmbranche, aber auch die Modebranche nimmt Landsberger gekonnt auf die Schippe … [Sigrid Gaisreiter]
Maik Lippert: im rauchglas des himmels überm gewerbegebiet
Kindheits- und Jugenderinnerungen blitzen auf, verschwimmen in der Landschaft, die hinter der mit dem Ärmel frei gewischten Scheibe in einem Zugabteil fragmentarisch sichtbar wird, aus der Landschaft schält sich das Gesicht der Geliebten, deren Nähe immer wieder gesucht wird … [Achim Wagner]
Monika Maron: Ach Glück. Roman
Wie bei einem Gemälde, das durch das Aufbringen neuer Farbschichten mehr Tiefe erhält, wird die Figur Johanna durch den Folgeroman noch plastischer und lebendiger. „Ach Glück“ weckt in dem Leser den Wunsch, dass die Autorin in einem dritten Buch dem Porträt weitere Pinselstriche hinzufügen wird … [Silke Winzek]
Jens Friebe: 52 Wochenenden. Texte zum Durchmachen
Jens Friebe im Gespräch mit satt.org über sein Buch „52 Wochenenden“, die Schwierigkeiten des autobiographischen Schreibens und seine Zukunftsprojekte … [Marc Degens]
Jan Costin Wagner: Das Schweigen
Das Beste an Wagners Schreibweise bleibt das kunstvolle Changieren zwischen großartiger Literatur und leichtem Erzählen: Seine Bücher sind Scheinkrimis, so etwas wie umgekehrte Sitzriesen … [Martin Jankowski]
Riesenmaschine. Das Beste aus dem brandneuen Universum
Seit 2005 befasst sich das grimmepreisgekrönte Weblog riesenmaschine.de mit Kuriosem, Abseitigem und Faszinierendem aus Tier- und Warenwelt. Jetzt gibt es die Riesenmaschine zum Mitrumtragen, nämlich als handliches Taschenbuch - hier ein Interview mit einigen Riesenmaschine-Redakteuren … [Christina Mohr]
Stefan Heuer: honig im mund – galle im herzen
Dem Burgdorfer Lyriker Stefan Heuer ist es vor Jahren passiert, dass sein Manuskript von einem namhaften Verlag abgelehnt wurde, mit der einzigen Begründung, er müsse schon in Berlin leben, um im Literaturbetrieb wirksam unterzukommen. Wenn solche Argumente die Veröffentlichungspolitik literarischer Verlage bestimmen, dann spätestens ist es Zeit eine Debatte los zu stoßen, was wir für eine Lyrik heute wirklich brauchen … [Frank Milautzcki]
Frank Schäfer: Kleinstadtblues
Im "Kleinstadtblues" geht es um erwachsene Männer, die das Leben eng sehen, in den Seilen hängen, Väter werden und auch noch heiraten … [Thomas Behlert]
Zuckerbabys. Kerstin Grether im Interview
Als vor drei Jahren Kerstin Grethers Roman „Zuckerbabys“ erschien, wurde ein Tabu gebrochen: zum ersten Mal stand das Thema Magersucht im Mittelpunkt eines Romans, der oberflächlich betrachtet als „Poproman“ durchgehen konnte. Kerstin Grether hat satt.org Fragen beantwortet, die sich zum Erscheinen des Hörbuchs neu stellten, aber ohnehin „around“ sind … [Christina Mohr]
Der Autor als Medienjongleur. Die Inszenierung literarischer Modernität im Internet
Mit der Popularisierung des Internets seit Mitte der 1990er Jahre wurde der Ruf nach einem "Netz-Ulysses" laut, ähnlich wie von der literarischen Öffentlichkeit nach 1989 der große Wende-Roman eingefordert wurde. Die Autoren verhielten sich zunächst auch dementsprechend: Sie begaben sich ins Netz, gründeten Projekte, schrieben dort Texte, aber eben keinen "Netz-Ulysses". Auch deshalb nicht, weil das Internet für sie Nebenbeschäftigung war und blieb … [Frank Fischer]
Latin.Log Folge 79: Carlos Vicente Castro
Die von Rike Bolte und Timo Berger herausgegebene Lyriksammlung präsentiert jede Woche jeweils ein Gedicht eines/r zeitgenössischen AutorIn aus Lateinamerika.
Werner Bräunig: Rummelplatz
Arbeiter und Funktionäre, Wismut und Wodka: Ein vor über vierzig Jahren geschriebenes, für beamtete Leser zu realistisches Porträt Nachkriegsdeutschlands, liegt endlich in seiner vollständigen Fassung vor. Ein Text, der gefeiert werden sollte … [Robert Mießner]
Andrej Belyj: Glossolalie. Poem über den Laut
Das Buch wirkt wie eine Aufzeichnung von Assoziationen, die im Nachhinein in einen systematischen Zusammenhang gebracht werden. Die „Glossolalia“ ist eine Symphonie der Imagination, unterstützt durch Philologie, (zuweilen gebrochene) Etymologie, Linguistik und Esoterik. Als Ziel hat er einen neuen Menschen durch eine neue Wissenschaft (der Kunst) im Sinn … [Dominik Irtenkauf]
Wo Haushaltsgeräte zum Sterben hingehen
Das Hamsterrad indes dreht sich weiter, es wirft ja noch Perlen vor die Säue! Neue Gedichtbände, für die, die keine Gedichtbände kaufen … [Tom Schulz]
Perry-Rhodan-Ableger: Zum Auftakt der neuen Atlan-Taschenbuchreihe
Geschildert werden die Abenteuer des unsterblichen Arkoniden in seiner Phase als Chef der United Stars Organisation, einer Art interstellarer Geheimdienst, der Bedrohungen für Perry Rhodans Solares Imperium beseitigen soll, bevor sie entstehen. Atlan persönlich verfolgt einen seltsamen Fall – die galaxisweite Übertragung seiner Ermordung auf dem Planeten Lepso, der gefährlichsten Spiel- und Drogenhölle der Galaxis … [Stefan Pannor]
Treffen junger Magazine: 2./3. Juni 2007
Junge Literaturzeitschriften? Das sind diese Heftchen mit den Autoren drin, deren Debüts dann ein paar Jahre später Furore machen. Eine Ankündigung …
Thomas Hettche: Woraus wir gemacht sind
„Relevanten Realismus“ forderte Thomas Hettche 2005 in der Zeit. In seinem Roman „Woraus wir gemacht sind“ zeigt er, was er sich darunter vorstellt: Eine gelungene Mischung aus Gesellschaftskritik und philosophischer Reflexion … [Nele F.C. Schüller - neue Mitarbeiterin]
Max Goldt: QQ
Wolfgang Herrndorf: Diesseits des Van-Allen-Gürtels
Ijoma Mangold von der Süddeutschen Zeitung wunderte sich unlängst auf der Leipziger Buchmesse lautstark, dass es ja doch deutsche Literatur gebe, die sowohl anspruchsvoll als auch lustig sei … [Tina Manske]
Junge Lyrik und ihre Verlage
Enno Stahl über Lyrik heute, den Markt, die Chancen und speziell über die Auor/inn/en Adrian Kasnitz, Monika Rinck, Tom Schulz, Achim Wagner sowie die Verlage Yedermann Verlag und Kookbooks …
Antje Rávic Strubel: Kältere Schichten der Luft
In diesem Roman spielt die Sprache die Hauptrolle, die Sprache und das Licht, das irisierende Licht des schwedischen Sommers, das jede Bewegung mit einer Bedeutung versieht … [Tina Manske]
Ingo Schulze: Handy - dreizehn geschichten in alter manier
Es ist Literatur, deren Wesen im Erzählen liegt - in der literarischen Perspektive auf das Leben, die durch nichts anderes ersetzt werden kann. Der typische Schulze-Sound … [Martin Jankowski]
Kerstin Grether: Zungenkuss. Du nennst es Kosmetik, ich nenn es Rock'n'Roll
Dieses Buch war dringend nötig! Bücher, die sich mit Popsozialisation aus männlicher Sicht befassen, gibt es mehr als genug. Jetzt erscheinen bei Suhrkamp Kerstin Grethers Texte über Popmusik aus den Jahren 1991 - 2006 … [Christina Mohr]
Neue (alte) Musikbücher
Nach der Buchmesse ist vor der Buchmesse: kaum schliesst die Frankfurter Messe ihre Tore, wird in Leipzig schon alles für die Frühjahrsbücherschau vorbereitet. Aber irgendwann müssen die ganzen Bücher ja auch mal gelesen werden, das kann schon mal einen Moment dauern. Hier eine kleine Auswahl halbwegs aktueller Musikbücher … [Christina Mohr]
Welt im Spiegel - Spiegelwelten
Oft hat man ja nicht viel zu lachen, es sei denn ein Cartoonist nimmt sich der Welt in Wort und Bild an … [Sigrid Gaisreiter]
Blätterwald 3
Die Praxis, Auszüge von Theaterstücken abzudrucken, ist ungebräuchlich – obwohl das Verfahren bei Romanen und größeren Prosawerken oft angewendet wird. Es scheint daher Vorbehalte gegen diese Textgattung zu geben. Für die Gattung Lyrik erfüllen die Literaturzeitschriften allerdings eine lebenswichtige Funktion … [Marc Degens]
Über die Reisebeschreibungen von Patrick Leigh Fermor
In diesem Tempo kommt der Autor nie nach Istanbul, denkt man, wenn man dieses ungewöhnliche Buch zu lesen beginnt. Und man behält recht … [Adrian Kasnitz]
Benjamin Kunkel: Unentschlossen
Teil 1 ist scharf beobachtet und brillant geschrieben - große Literatur, die in Sound und Inhalt zuweilen durchaus an Salingers „Fänger im Roggen“ oder Douglas Couplands „Generation X“ heranreicht. Teil 2 des Buches ist zumeist schlecht geschriebener Stand-up-Schwachsinn fürs linksurbane Universitäts-Prekariat … [Martin Jankowski]
Isabel Bolton: Der Weihnachtsbaum
Gleich einem Spiel mit ziehenden Figuren wechselt Bolton beständig die Szenerie. Diese Passagen erinnern an Henry James' Technik der indirekten Charakterisierung von Personen … [Sigrid Gaisreiter]
Werner Rügemer: Der Bankier. Ungebetener Nachruf auf Alfred Freiherr von Oppenheim
Neu ist inzwischen, dass immer mehr Bücher verboten werden, weil sich Einzelne durch deren Erscheinen in ihrer Privatsphäre verletzt sehen. Interessant wird es jedoch, wenn politisch kritische Äußerungen dem Verdikt verfallen, wie im Falle von Werner Rügemers neuem Buch “Der Bankier” … [Enno Stahl]
Cees Nooteboom: Tumbas. Gräber von Dichtern und Denkern
Einen Dialog führt der Dichter Cees Nooteboom mit verstorbenen Kollegen, deren Grabstätten er, zusammen mit seiner Lebenspartnerin, der Fotografin Simone Sassen, auf der ganzen Welt besuchte … [Sigrid Gaisreiter]
Laurence Sterne: Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman
Sterne ist ein Meister darin, den Verlauf der Geschichte zurückzudrängen, Zeit zu dehnen, zu komprimieren und auszusetzen. Später wird das Prinzip, die Stauchung der Geschichte, von Denis Diderot in Jacques der Fatalist wieder aufgenommen … [Sigrid Gaisreiter]
Klaus Ferentschik: Pataphysik. Versuchung des Geistes
Ferentschik hat den Schlüssel zu lauter Luftschlössern, einer großartigen Collage und Montage sorgfältig konstruierter Täuschung. In der Literatur ist alles möglich, aber nur dort … [Sigrid Gaisreiter]
Die zehn besten Texte aus den Feuilletons des Jahres 2006
Janina Turek, Willi Winkler, Rechtschreibreform, Tate Modern, Bachmann-Preis, "Spiralblock-Affäre", Emphatiker & Gnostiker, GraSS, Analverkehr, Ein Jahr Große Koalition … [Frank Fischer]
Charles Bukowski: Irgendwo in Texas
Hf Coltello: Außenrolle Doppelläufer
Untergrund-Literatur gestern und heute soll in dieser kleinen Hörbuchschau das Thema sein. Und wer eignete sich besser dafür zu zeigen, was Untergrund-Literatur einmal war, als unser aller geliebter Cheftrinker und -tunichtgut Charles Bukowski … [Tina Manske]
Holm Friebe, Sascha Lobo: Wir nennen es Arbeit. Die digitale Boheme oder Intelligentes Leben jenseits der Festanstellung
Nachdem Begriffe wie Generation Praktikum und urbanes Pennertum eher die Missstände einer gut ausgebildeten, aber arbeitslosen Gruppe junger Akademiker beklagten, sorgt eine neue Bezeichnung dieser Menschen für bessere Laune: Digitale Boheme … [Sibylle Sassenholz]
Brehms Tierleben & Holz' verschwundene Tiere
Vor Brehm verbeugt sich auch Holz. Sein Zoo zeugt von Entdeckerfreude an der Vielfalt und Vielgestalt, nun in einer großartigen Ausgabe, fein strichelt Ensikat jedem Tierchen sein Pläsierchen … [Sigrid Gaisreiter]
Reiche Ernte
12 Romane, Gedichtbände und Anthologien von Autoren aus dem SuKuLTuR-Verlag … [Marc Degens]
Es waren einmal … Zahl und Zombie
Wie einem Neuköllner Problemkid in zwei Absätzen ein durch und durch literarischer Text gelingt, der gleich mal mehrere weltliterarische Themen abhandelt … [Frank Fischer]
Dath total - Dietmar Dath im Interview
Dietmar Dath, für dessen Werke schon Verlage gegründet wurden, ist nicht nur einer der außergewöhnlichsten, sondern wahrscheinlich auch der produktivste junge deutsche Schriftsteller. Mit Dietmar Dath sprach Marc Degens über die Arbeit, das Leben, das Schreiben und seinen neuen Roman "Dirac" … [Marc Degens]
Genie trifft Wahnwitz: Daniel Kehlmann zu Besuch in Göttingen
„Ich habe keine Ahnung.“ Mit dieser überraschenden Aussage begann der Erfolgsautor Daniel Kehlmann die zehnte Poetikvorlesung des Literarischen Zentrums Göttingen … [Inger Ellen Spurgat und Mandy Sasse]
Ursula Heuenkamp, Peter Geist (Hg.): Deutschsprachige Lyriker des 20. Jahrhunderts
Bücher über moderne Lyrik, über zeitgenössische gar, sind rar. Deswegen ist jede Veröffentlichung dieser Art erst einmal gutzuheißen. So auch dieser umfangreiche Band … [Tobias Lehmkuhl]
Blätterwald 2
Ein Leser wunderte sich über mein Lob eines vorgestellten Literaturmagazins. Der Gesprächsverlauf zeigte, daß wir an der „Zeitschrift für junge Literatur“ zwar dieselben Punkte bemängelten – trotzdem blieb ich bei meinem günstigen Gesamturteil und konnte sogar meine im Fall von Literatur- und Kulturzeitschriften grundsätzlich waltende rosinenpickenden und schönfärbenden Urteilsmaßstäbe überzeugend verteidigen … [Marc Degens]
Ariane Grundies: Am Ende ich
Sie ist aus Stralsund und liebt das Meer. Weil sie in Berlin lebt, bleibt ihr nur der Wannsee. Auf dem Wasser, in der Stille fallen Ariane Grundies (27) dann diese atemraubend abgeklärten Geschichten ein wie der interessanteste Debütroman im Herbst … [Jost Kaiser]
Stefan Heuer: favoritensterben
Der nüchterne Blick Stefan Heuers macht mitunter trunken. Darin liegt ein Widerspruch, aber darin liegt auch die Wahrheit. Stefan Heuer schreibt sehr selten „ich“, etwas häufiger „dich“ und meistens schreibt er sehr „dicht“ über unsere Welt, die ganz die seine ist … [Herbert Hindringer]
George Lindt: Provinzglück
"Provinzglück" heißt der halbwegs autobiographische Roman von George Lindt, Betreiber von Lieblingslied Records. Auf seinem Label hat Lindt nun ein auf dem Buch basierendes "Rundum-Glücklich-Paket" geschnürt, das eine große Plattenfirma niemals veröffentlichen würde. Hier ein Interview mit George Lindt … [Christina Mohr]
Gerhard Henschel: Gossenreport. Betriebsgeheimnisse der Bild-Zeitung
Henschels Buch ist gedacht für all die, die uns einmal nachfolgen werden: als Mahnmal dessen, was in heutiger Zeit alles möglich war, im übrigen auch als Anstoß zu einer Debatte darüber, ob die Pressefreiheit uns diesen Sumpf wert ist. So gesehen liefert „Gossenreport“ auch einen wichtigen Beitrag zur laufenden „Unterschichten-Debatte“ … [Tina Manske]
Christoph Ransmayr: Der fliegende Berg
Dass es sich dabei um eine Reise in den Tod handelt, macht der Autor – daran hat man sich schon fast gewöhnt - von der ersten Zeile an klar: „Ich starb / 6840 Meter über dem Meeresspiegel / am vierten Mai im Jahr des Pferdes.“ … [Patrick Baumgärtel]
Lisa Moos: Das erste Mal und immer wieder
Autobiographische Schilderung einer Prostituierten. Lisa Moos schrieb das Manuskript eigenhändig, mit schriftstellerischem Stil und Verve, suchte einen Literaturagenten, und dieser bot das Buch dem Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf an, und dort zögerte man keinen Augenblick … [Hartmuth Malorny]
Matthias Zschokke: Maurice mit Huhn
Der Roman ist un livre sur rien (Flaubert), ein Buch, in dem es um nichts geht, in dem der Roman um sich selbst kreist und sich auf seiner eigenen Metaebene abspielt … [Dorothea Kenneweg]
Die Ausdifferenzierung und Professionalisierung der Theaterkritik zwischen 1870 und 1933
Für die Ausdifferenzierung der Theaterkritik war die Einführung der Gewerbefreiheit in Preußen 1869 eine ebenso notwendige Voraussetzung wie die enorme Expansion des Zeitungswesens. Mit ihr tritt an die Stelle des ungebundenen Publizisten der angestellte Journalist. Das Amt des Kritikers wird jetzt zu einem Beruf … [Gunther Nickel]
Florian Illies: Ortsgespräch
Sentimentale Menschen werden bei der Lektüre dahinschmelzen. Unsentimentale Menschen jedoch werden dieses Buch spätestens bei dem Satz „Wenn die ersten Flocken im Apfelsaft herniederfielen, dann war der Winter nicht mehr weit“ irritiert zur Seite legen und sich fragen: was will uns der Autor sagen … [David Wagner]
Peter Stamm: An einem Tag wie diesem
Wie viele andere Figuren ist Andreas ein permanent Müder. Alle zwei Wochen trifft er sich mit einer seiner beiden Geliebten Nadja und Sylvia; die eine ist geschieden, die andere Mutter dreier Kinder. Dabei ereignet sich jedesmal die „Wiederholung des immer gleichen Abends, der immer gleichen Nacht, ohne sich je näher zu kommen“ … [Patrick Baumgärtel]
Wolfgang Welt: Buddy Holly auf der Wilhelmshöhe
Ein Sonderfall der Popliteratur ist die Enthüllungs- und Bekenntnisliteratur von Autoren, die dem literarischen Feld zwar nahe stehen, aber vorrangig nicht als Schriftsteller wahrgenommen werden. Stilprägend sind etwa die Gesprächsprotokolle des ehemaligen März-Verlegers Jörg Schröder, die Schlüsselromane von Joachim Lottmann oder die schnörkellose Tagebuchprosa von Wolfgang Welt … [Marc Degens]
Kultur & Gespenster
Man darf auf die nächsten Ausgaben von „Kultur & Gespenster“ sehr gespannt sein. Neben der Mainzer „Testcard“, welche sich schwerpunktmäßig mehr der Musik widmet, könnte „Kultur & Gespenster“ im Bereich literarisch-bildkünstlerisch motivierter Kulturwissenschaft eine echte Lücke ausfüllen … [Enno Stahl]
Gottfried Benn: Ich falle ja nicht „unter das Gesetz“!
Es war vorauszusehen, dass aus Anlass des 50. Todestages von Gottfried Benn nicht nur der Dichter im Mittelpunkt stehen wird, sondern auch, wie Helmut Lethen es nennt, „Benns Verbrechen“ … Vier Benn-Novitäten geben neue Antworten auf alte Fragen … [Gunther Nickel]
"Ich bin doch keine Gewächshauspflanze!"
satt.org-Autorin Ní Gudix sprach während der Leipziger Buchmesse mit dem Musiker und Schriftsteller Phil Shoenfelt über Australien, die Sechzigerjahre, Prag, Drogen, Punk, den Roman JUNKIE LOVE und Frank Bröker. Hier das lesenswerte (ungekürzte!) Interview … [Ní Gudix]
Uwe Timm: Der Freund und der Fremde
Uwe Timms Erzählung über seine Freundschaft zu Benno Ohnesorg reflektiert die Biographie hinter der Ikone der 68er Protestbewegung mit literarischen und philosophischen Gesten - von Cocteau bis Camus, von Bonnard bis Betty Blue. „Der Freund und der Fremde“ ist mitnichten ein politisches Buch für Alt-68er im Vorruhestand … [Michael Stolzke und Nikolai Wojtko]
Cool Britannia. Junge Literatur aus Großbritannien
„Das Problem bei unseren jungen Schriftstellern ist, dass sie alle um die 60 sind“, bemerkte dereinst W.S. Maugham, doch die englische Literatur hat sich geändert – wie so vieles – denn es gibt sie überall, die wütend schreibenden Autoren, erstens, um mit Rebellion Aufmerksamkeit zu erzeugen, zweitens, um Zeichen zu setzen, dass man nicht so ist, wie es das Geschäft verlangt … [Hartmuth Malorny]
Blätterwald 1
Die Vielfalt an kulturellen Zeitschriften aus dem alternativen Literaturraum ist in Deutschland derzeit so groß wie lange schon nicht mehr. satt.org stellt einige davon vor … [Marc Degens]
augsburg brecht connected – Bertold Recht Festival in Augsburg
Der 50. Todestag Bertolt Brechts ist Anlass für ein großes Lyrik-Festival in seiner Geburtsstadt Augsburg. Da der Verfasser dieses Beitrags selbst Teilnehmer des Festivals war, wäre jeder Versuch einer objektiven Berichterstattung zur Unglaubwürdigkeit verurteilt. Statt dessen skizziert er einige subjektive Schlüsse, die er aus den von ihm besuchten Lesungen ziehen konnte … [Gerald Fiebig]
John Burdett: Der Jadereiter
Wer Bangkok als gewöhnlichen Touristenort zu kennen glaubt, der bekommt mit diesem Buch tiefe Einblicke darin, warum die Metropole funktioniert: Korrupte Polizisten gehören zum Alltag, ebenso das Geschäft der bezahlten Liebe und des Drogenhandels … [Hartmuth Malorny]
Grimme-Preis, Bachmann-Preis, Weltherrschaft: Die Zentrale Intelligenz Agentur verändert unser Leben
Wenn man der aktuellen Anzeige auf der Homepage der Universalfirma glauben darf, liegt der ZIA-Weltherrschaftsanteil derzeit bei drei Prozent. Das ist kein schlechtes Ergebnis für eine Gruppe von jungen Kreativen, die sich vor knapp fünf Jahren in Berlin zusammengefunden hat … [Marc Degens]
Markt Literarisch. Herausgegeben von Thomas Wegmann
Mit den soziologischen und ökonomischen Zusammenhängen des Literaturbetriebs beschäftigt sich der Sammelband „Markt Literarisch“ … [Johannes Springer]
Thomas Kling: Gesammelte Gedichte
Vor etwas mehr als einem Jahr ist Thomas Kling gestorben. Im April erschienen nun die „Gesammelten Gedichte“, herausgegeben von Marcel Beyer und Christian Döring. Enno Stahl sprach mit Christian Döring, der Kling seit den 80er Jahren als Lektor betreute … [Enno Stahl]
Andreas Gläser: DJ Baufresse
Der rote Faden in Gläsers Geschichtensammlung ist der Durchschnittsmensch Baufresse, gefangen zwischen Kleinfamilie, merkwürdigen Jobs und Freizeitvergnügen. Das ist bei Gläser natürlich in erster Linie Fußball … [Frank Willmann]
Heinz Strunk: Mit Hass gekocht
Lachen muss man darüber nicht, man kann auch von sich behaupten, sich für Texte wie „Die Hackfahne“ oder „Arschbrand“ zu schade zu sein. Meistens wird man aber doch lachen. Der breite Hamburger Dialekt Strunks tut das übrige … [Tina Manske]
Thomas Kapielski: Anblasen
Thomas Kapielski, so West-Berlin wie der Checkpoint Charlie, steht Künstlern wie Martin Kippenberger oder Werner Büttner nahe – sein Schaffen ist oft eine Meta-Kunst, die auf originelle und ironische Weise die Bedingungen ihrer Entstehung und Rezeption thematisiert … [Marc Degens]
Tanja Dückers, Bertram Denzel: Mehrsprachige Tomaten. Reisen im Kopf.
Man weiß trotz wiederholtem Hören nicht, was einem besser gefällt: die Musik oder die Texte, die Tanja Dückers angenehm unangestrengt und unprätentiös spricht. Wahrscheinlich ist es aber doch das Zusammenspiel aus beidem, das den Reiz ausmacht … [Tina Manske]
Ror Wolf: Gesammelte Fußballhörspiele
Wolfs Collagen sind Verdichtung und somit die dichterische Darstellung der Faszination Fußball in all ihren Facetten – den tragischen wie den komischen … [Dirk Martschin]
Ralf Bönt: Berliner Stille
In „Berliner Stille“ präsentiert uns Ralf Bönt die Dinge, wie sie nun einmal sind in Post-Hartz-IV-Deutschland. Da gibt es nichts zu lachen … [Patrick Baumgärtel]
Tanja Dückers: Der längste Tag des Jahres
Auf der Suche nach den verlorenen Gemeinplätzen: Tanja Dückers’ neuer Roman „Der längste Tag des Jahres“ entpuppt sich als literarische Fata Morgana … [Patrick Baumgärtel]
Ror Wolf: Gesammelte Fußballhörspiele
So rasant ist kaum ein Fußballspiel, und selbst mit den schnellen Schnitten heutiger Musikvideos können Ror Wolfs Fußball-Hörspiele aus den 70er Jahren durchaus mithalten. Sie legen ein Tempo vor, das nur wenige Radio-Produktionen seither eingeholt haben … [Tobias Lehmkuhl]
Paul Auster: Die Brooklyn-Revue
Das Leben ist unvorhersehbar, es kann gut gehen, man kann Pech haben und beides findet oft unabhängig von den eigenen Bemühungen statt. Wenn das Buch eine Botschaft übermittelt, dann wohl diese: Löse dich von dem Irrglauben, du könntest die absolute Kontrolle über dein Leben erlangen und genieße die Entlastung, die diese Einsicht in sich birgt … [Silke Winzek]
Frank Bröker: BAR WARS
Er schwurbelt nicht, er schwätzt nicht, er trendspricht nicht. Und dieses hypermorphe Flirren dazwischen, dieses kühle Schwirren der Negation, das tut richtig gut … [Ní Gudix]
Hœricht 7
Vorstellung aktueller Hörbücher mit Texten von Theodor Fontane, Wolfram Fleischhauer, Candace Bushnell, Bibiana Beglau und Stefan Jäger, Ingeborg Bachmann, Homer, Gert Heidenreich und Anton Tschechow … [Tobias Lehmkuhl]
Die Hörspielreihe "sprechtheater:«"
Hochklassige Theaterproduktionen zum Hören im eigenen Wohnzimmer: das bietet die Hörspielreihe "sprechtheater.«" aus dem Henschel Verlag. Drei neue Ausgaben der hoch unterhaltsamen Tonträger seien Euch hiermit wärmstens ans Herz gelegt … [Tina Manske]
Hunter S. Thompson: The Rum Diary
Man kann das Buch gerne mit einer Flasche Rum genießen, on the rocks, weil es fließt, und wenn man schnell genug trinkt und im Fluss der Sprache liest, zergehen die Eiswürfel weniger als der Schweiß … [Hartmuth Malorny]
Theo Breuer: Aus dem Hinterland. Lyrik nach 2000
"Aus dem Hinterland" trägt den Untertitel "Lyrik nach 2000" und kann bereits nach Durchsicht des Registers als die umfassendste Publikation zu diesem Thema zumindest im deutschsprachigen Raum gelten … [Gerald Fiebig]
Daniel Dubbe: Tropenfieber
Natürlich ist "Tropenfieber" ein Kriminalroman. Auf Seite 6 werden die Personen der Handlung aufgeführt: Privatdetektiv Karter, Dr. David Kassowitz, Raymond Lemercier, General Rasolofo sowie die junge und schöne Sylvie … [Hartmuth Malorny]
Uljana Wolf: kochanie ich habe brot gekauft. Gedichte.
Uljana Wolfs Sprache ist sparsam und genau. Das ist alles. Und das ist viel … Knappe Verse, die selbst zwischen zwei kleinen Worten die Perspektiven tanzen lassen. Jedes Wort, jede Silbe kümmert sich um das selbst gesetzte Thema des Texts … [Martin Jankowski]
Volker Strübing: Das Paradies am Rande der Stadt
Hier handelt es sich um einen höchst unterhaltsamen Roman, der bei allem Witz sehr ernsthafte Fragen zu Themen wie Arbeit, Privatisierung, Genpatenten, globalem Kapitalismus, Religion und virtueller Realität aufwirft … [Gerald Fiebig]
Die 15 Lieblingsbücher 2005
Ausgewählt von satt.org-Literaturredakteur Marc Degens. 1. Die salzweißen Augen. 2. Auf Wiedersehen, Dr. Winter. 3. Europa … [Marc Degens]
Almut Klotz und Rev. Christian Dabeler: Aus dem Leben des Manuel Zorn
Nichts ist wie es scheint, aber eins ist sicher: Aus dem Leben des Manuel Zorn ist ganz gewiß kein "Poproman", auch wenn sich die Autoren Almut Klotz und Christian Dabeler seit vielen Jahren in der hiesigen Musikszene tummeln. Unheimlich, spannend und sprachlich virtuos ist dieser Roman eine der Überraschungen zum Jahresende … [Christina Mohr]