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Sofie Lichtenstein: Bügeln. Protokolle über geschlechtliche Handlungen




19. Juni 2010
Kirsten Reimers
für satt.org

Mordsmäßig49

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Gähnender Abgrund

  Dan Brown: Das verlorene Symbol
Dan Brown:
Das verlorene Symbol

(The Lost Symbol, 2009)
Aus dem amerikanischen
Englisch vom Bonner Kreis
Lübbe 2009
Hc, 765 Seiten, 26,00 Euro
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Die Welt am Abgrund. Die Zivilisation, wie wir sie kennen, kurz vor dem Untergang. Nichts wird mehr so sein, wie es war – wenn nicht Robert Langdon das verlorene Symbol findet, die streng gehüteten Geheimnisse der Freimaurer entschlüsselt und das uralte, machtvolle Wissen zugänglich macht, das die Menschen vollkommen verändern wird.

Das und nichts weniger lastet auf den Schultern des Harvard-Professors, der schon in »Illuminati« (»Angels and demons«, 2000) und »Sakrileg« (»The Da Vinci Code«, 2003) Geheimnisse entschlüsselte und Verschwörungen aufdeckte. Diesmal wird er unter einem Vorwand nach Washington gelockt und muss dort erkennen, dass sein Freund und Mentor Peter Solomon entführt und gefoltert wurde. Retten kann ihn nur Langdon – indem er mysteriöse Codes knackt, das verlangt der hinterhältige und gemeine Entführer.

Was folgt, ist eine hurtige Rätselralley durch Washington, immer auf den Spuren der Gründungsväter der Stadt und damit auf den Spuren der Freimaurer und ihrer Geheimnisse, immer auf der Flucht vor der CIA, die die Wahrung eben dieser Geheimnisse zu einer Frage der nationalen Sicherheit erklärt hat. Unterstützt wird der Symbologe von Katherine Solomon, Peters Schwester, einer Wissenschaftlerin, die sich der Noetik verschrieben hat und nach einer Verbindung von uraltem Wissen und der modernen Physik sucht. (Katherine kann übrigens beweisen, dass die Seele existiert und wie viel sie wiegt.) Ihnen bleiben nur wenige Stunden, um Peter vor dem Tod und die Welt vor dem Zusammenbruch zu retten.

Viel los also. Verfolgungsjagden, unterirdischen Gänge, Explosionen, Scherbenregen, geheimnisvollen Schriftzeichen, mehrere Tote und und und. Was halt dazu gehört. Gerade mal über zehn Stunden erstreckt sich die Stadtführung mit Schatzsuche, füllt aber mehr als 760 Seiten. Das funktioniert dank lexikaler Belehrungsdialoge und penetrantem Cliffhanger-Gebrauch: Wenn’s spannend wird, wird ausgeblendet. Neue Szene.

So entsteht an der Oberfläche eine Menge Gewirbel und Gewese. Und darunter? Ein ziemlich schlicht gestrickter Ausgangskonflikt, der reichlich durchschaubar ist, und eine belanglose Geheimnisspur. Und warum das alles die Zivilisation bedroht, das weiß nur Brown allein.

Das ist aber eigentlich nicht das Unangenehmste an diesem Buch. Wirklich nervig ist der allgegenwärtige pathetische Schwulst, geht es doch um die Gründungsväter der USA, um die Ehrenrettung der Freimaurer und um die letzten Geheimnisse der Bibel. Da wird’s mitunter so patriotisch, dass es echt unangenehm ist. Und religiös. Und langweilig. Denn wegen all des Aufruhrs ist die Spannung etwas kurzatmig.