Summertime Blues
(R: Marie Reich)
Deutschland 2009, Buch: Friederike Köpf, Uschi Reich, Robin Getrost, Lit. Vorlage: Julia Clarke, Kamera: Egon Werdin, Schnitt: Barbara von Weitershausen, Musik: Youki Yamamoto, Songs: Jakob Anthoff, mit François Goeske (Alex Homann), Sarah Beck (Faye), Zoe Moore (Louie), Karoline Eichhorn (Diana Homann), Christian Nickel (Steffen Homann), Alexander Beyer (Seth McElroy), Maja Schöne (Mandy Teubner), Jonathan Beck (Danny Schmidt), Martin Tietjen (Leo Stanton), Eveline Hall (Mrs. Stanton), Niklas Osterloh (Erik), Larissa Hartmann, Laura Baade, Nadine Quittner, Dennis Mojen, 116 Min., Kinostart: 20. August 2009
Wie vor drei Jahren in Französisch für Anfänger verschlägt es François Goeske erneut ins Ausland, wo ihn die Hormone in Form der weiblichen Einheimischen heimsuchen. Das man ihm den 15jährigen inzwischen nicht mehr so richtig abnimmt (der Darsteller ist inzwischen 20), gehört hierbei noch zu den kleinsten Problemen des Films, dessen vorherrschendes narratives Element das Voice-Over ist. Für ein jugendliches Publikum mag es vielleicht interessant sein, die aus der Romanvorlage übernommenen Innenansichten der Hauptfigur auf diese Art eingesprochen zu bekommen, wer aber dem Teenageralter inzwischen entwachsen ist, wird sich schnell an der sich wiederholenden Erzählsituation stören: Alex (Goeske) trifft eine der zwei jungen Damen, zwischen denen er sich im Verlauf des Films entscheiden muss, und man hört seine Gedanken (fehlende Teile ergänzen): "Als ich [...] traf, wollte ich ihr sagen [...], doch stattdessen sagte ich ..." und an dieser Stelle kommt dann der Übergang vom Voice-Over zur direkten Rede. Ist schon beim zweiten Mal nicht mehr wirklich witzig, wird aber noch des öfteren gebraucht.
Inwiefern dafür die Romanautorin Julia Clarke (auf Jugendliebe-Stoffe mit Titeln wie You lose some, you win some oder The Kissing Club abonniert) verantwortlich ist, mag ich nicht entscheiden, aber so oder so wirkt die Geschichte nicht eben innovativ. Eindeutig die Schuld der Filmemacher scheint mir aber das Casting, denn dass sich Alex für die fade Faye statt der in jeder Hinsicht interessanteren und reiferen Louie (Zoe Moore, die Tochter des Regisseurs von plus minus null oder Im Schwitzkasten), ist für den Betrachter nur schwer nachvollziehbar. Man bekommt zwar Alex' Gefühle vorgebetet, aber richtig für voll kann man die vor allem dem Drehbuch folgende Entwicklung des jungen Mannes nicht nehmen. Auch das kleine Detail, das Alex sich an den Klischees des Liebesleben seiner jüngst getrennten Eltern stört (Vater schnappt sich die jüngere Sekretärin und schwängert die sofort, Mutter packt die flotten Kleider wieder aus und versucht sich als Produktionsassistentin eines Schauspielers), ändert nichts daran, dass diese Klischees eben auch Bestandteil der erzählten Geschichte sind. Und richtig peinlich wird es, wenn sich zeigt, dass die Autoren der englischen Sprache (wichtiges Teil des Lokalkolorits, wenn die Bremer plötzlich im Cottage in Kent wohnen) nicht wirklich mächtig sind, und Alex beispielsweise die junge Engländerin Louie fragt "Are you a statist, too?", und diese trotz fehlender Deutschkenntnisse diesen für Engländer komplett unverständlichen Satz (Statisten heißen auf Englisch "Extras") offenbar sofort versteht. Ähnlich seltsam und hilflos die Untertitelung im Zusammenhang mit dem nächtlichen Besuch eines Dachsbaus: Weil Alex nicht weiß, was "badgers" sind, wird dieses Detail auch in der Untertitelung ausgespart (damit die Jungzuschauer seine Verwirrung nachvollziehen können). Und das ein 15jähriger mit allenfalls Basiswissen in der englischen Sprache Wuthering Heights im Original verschlingt, ist ein weiterer Stolperstein, der hier ebenfalls nur als Beispiel für viele weitere erwähnt werden soll.
Zu guter Letzt will ich nicht vergessen, einzubringen, dass man den Titel des alten Eddie-Cochran-Songs übrigens schon mal bei Eis am Stiel, Teil 8 verbraten hatte. Es bleibt zu hoffen, dass irgendwann mal ein Film mit diesem Titel herauskommt, der diesen auch verdient hat ...
Und dann sollte es auch um einen jungen Mann mit Geldproblemen gehen (wie im Song), und nicht um Figuren mit vermeintlichen Problemen, denen aber alles auf dem Silbertablett serviert wird.