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2. Januar 2013
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Silver Linings (David O. Russell)
Silver Linings (David O. Russell)
Bildmaterial © Senator Film Verleih
Silver Linings (David O. Russell)
Silver Linings (David O. Russell)
Silver Linings (David O. Russell)


Silver Linings
(David O. Russell)

Originaltitel: Silver Linings Playbook, USA 2012, Buch: David O. Russell, Lit. Vorlage: Matthew Quick, Kamera: Masanobu Takayanagi, Schnitt: Jay Cassidy, Crispin Struthers, Musik: Danny Elfman, mit Bradley Cooper (Pat Solitano), Jennifer Lawrence (Tiffany), Robert De Niro (Pat Sr.), Jacki Weaver (Dolores), Chris Tucker (Danny), Anupam Kher (Dr. Cliff Patel), John Ortiz (Ronnie), Shea Whigham (Jake), Julia Stiles (Veronica), Paul Herman (Randy), Dash Mihok (Officer Keogh), Matthew Russell (Ricky D'Angelo), Cheryl Williams (Tiffany's Mother), Patrick McDade (Tiffany's Father), Brea Bee (Nikki), Regency Boies (Regina), Phillip Chorba (Jordie), Anthony Lawton (Dr. Timbers), 122 Min., Kinostart: 3. Januar 2013

Silver Linings (David O. Russell)

Das Originalplakat zu Silver Linings Playbook zeigt zwei vertikal verschobene halbe Gesichter, die eine mit Filminformationen versehene Schwarzfläche verbindet. In Kenntnis der Filmhandlung könnte man das so interpretieren, dass zwei psychisch angeknackste Personen mehr schlecht als recht »zusammengekittet« werden. Es gibt sogar einige Spaßvögel im Internet, die die beiden Gesichtshälften direkt zusammengebastelt haben, wodurch einem vor allem auffällt, dass Bradley Cooper einen größeren Kopf als Jennifer Lawrence hat. Das deutsche Plakat zu Silver Linings (das letzte Wort wurde weggelassen, weil es das deutsche Publikum überfordern könnte - ein »Playbook« versammelt u. a. Spielzüge bei Ballteamsportarten - hier wird der Begriff eher im übertragenen Sinne gebraucht - vergleiche auch die kleinen Zeichnungen auf dem US-Plakat) wirkt eher wie zu einer herkömmlichen Romantic Comedy, einzig der ursprünglich als Titelzusatz geplante Satz »Wenn du mir, dann ich dir« zeugt noch davon, dass es hier nicht unbedingt um eine große Liebe geht (wenn eine romantische Entwicklung auch nicht ausgeschlossen wird), sondern um eine Zweckgemeinschaft.

Pat Solotano (Bradley Cooper) war einst ein tadelloser Sonnyboy. Bis er seine Frau bei einem Seitensprung erwischte, seine aggressive Natur nicht unter Kontrolle bekam, und in kürzester Zeit die Frau verlor, den Beruf als Lehrer, das gemeinsame Haus und auch noch seine Freizeit, denn für acht Monate musste er sich in psychiatrische Obhut begeben. All dies passiert vor dem Einsetzen der Handlung des Films, Pat hat seine »Zeit abgesessen«, seine Mutter (Jacki Weaver) holt ihn ab, er zieht wieder bei seinen Eltern ein (Robert De Niro als Pats Vater hat ebenfalls seinen Job verloren - und seinen Buchmacher), ist aber der irrigen Ansicht, seine Ehe noch »retten« zu können. Was schon dadurch erschwert wird, dass er sich per gerichtlicher Verfügung weder seinem ehemaligen Haus noch seiner ehemaligen Arbeitstelle nähern soll.

In dieser Situation kommen nun gutmeinende Bekannte auf die Idee, Pat und Tiffany (Jennifer Lawrence), eine junge Frau, die ihren Mann durch einen tödlichen Unfall verlor und nun ebenfalls verhaltensauffällig (sowie promisk) auftritt, miteinander »bekanntzumachen«. Und was ein One-Night-Stand oder etwas mehr hätte werden können, wird zu einer seltsamen Zweckgemeinschaft, deren Ausprägung und Nutzen man am besten selbst im Film miterleben sollte.

Silver Linings Playbook ist ein Film, der etwas sperrig daherkommt, doch gerade die Ecken und Kanten (die David O. Russell nicht immer so überzeugend wie hier zustandebringt) zeichnen den Film aus. Ich kenne die Romanvorlage nicht, aber im Film sind viele kleine Nebenrollen in verblüffend authentischer Weise eingebracht. Der notorische Psychatrie-Ausbrecher oder der rachsüchtig-verbrecherische Buchmacher, die in anderen Filmen nur Witzfiguren am Rande gewesen wären, bekommen hier den Anflug eines Innenlebens. Und bei den wichtigeren Personen (Pats Eltern, die verkuppelnden Bekannten) möchte man gerne noch länger verweilen - was schon mal ein großes Lob für den Film ist. Hier ist ein Psychiater nicht nur ein Psychiater, sondern auch ein Mensch, ein Polizeibeamter hat auch Bedürfnisse, und selbst der Film selbst, dessen Handlungsprämisse ich hier ja ausgiebig beschrieben habe, nimmt sich die Freiheit, leichtfüßig auch einmal in andere Genres hineinzuschnuppern. Und hier zeigt sich, wie zuletzt in The Fighter, das Talent des Regisseurs, der für seine Filmfiguren ein offenes Ohr hat - und darüber Konventionen des Hollywoodkinos auch gerne mal vergisst oder beugt.