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20. Februar 2013
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Warm Bodies (Jonathan Levine)
Warm Bodies (Jonathan Levine)
Bildmaterial © 2013 Concorde Filmverleih GmbH
Warm Bodies (Jonathan Levine)
Warm Bodies (Jonathan Levine)
Warm Bodies (Jonathan Levine)


Warm Bodies
(Jonathan Levine)

USA 2013, Buch: Jonathan Levine, Lit. Vorlage: Isaac Marion, Kamera: Javier Aguirresarobe, Schnitt: Nancy Richardson, mit Nicholas Hoult (R), Teresa Palmer (Julie), Rob Corddry (M), Analeigh Tipton (Nora), John Malkovich (General Grigio), Dave Franco (Perry), Cory Hardrict (Kevin), Kinostart: 21. Februar 2013

Dass es für Zombiefilme und Literaturverfilmungen eine Schnittmenge gibt, dürfte bisher den wenigsten Menschen aufgefallen sein, aber 2013 werden es mindestens zwei dieser seltsamen Kreaturen in die Kinos schaffen, und da ich ausnahmsweise beide Vorlagen kenne, bin ich mir schon jetzt sicher, dass Warm Bodies näher an der Vorlage ist als der noch zu erwartende World War Z, bei dem schon das Detail, dass Brat Pitt die »Hauptrolle« spielt, den dokumentarischen Episodencharakter von Max Brooks' Roman sabotieren muss.

Warm Bodies hat den Vorteil, dass Isaac Marions Roman zwar ein unübersehbares Potential hat (auch, wenn man sich durch ein Cover-Zitat von Stephenie Meyer bereitwillig auf das Prädikat »Twilight mit Zombie statt Vampir« reduzieren lässt), das Buch aber zumindest dramaturgisch solch eine Schwäche aufweist, dass für die Verfilmung »room for improvement« bleibt.

Es wird nicht unbedingt jeden Leser dieser Zeilen interessieren, aber ich will an dieser Stelle auch einen Vergleich Buch / Film anstellen, was oft eher unergiebig ausfällt, mir hier aber zumindest interessant erscheint.

Isaac Marion versteckt es nicht unbedingt, dass ihr Roman ein literarisches Vorbild hat, aber es ist durchaus möglich, dass manchen Lesern die Namen der zwei Hauptfiguren nicht bekannt vorkommen und sie das Thema »junge Liebe zwischen zwei verfeindeten Lagern« nicht wiedererkennen. Doch spätestens bei Sätzen wie »I mean, isn't 'zombie' just a silly name we came up with for a state of being we don't understand? What's in a name, right? If we were ...« klingeln bei einem Anglisten wie mir sämtliche Alarmglocken, und wenn dann noch die berühmte »Balkonszene« folgt, dann fällt es schwer, fortan nicht immer mal wieder an Shakespeare zu denken, obwohl Isaac Marion nicht so auf derlei Ähnlichkeiten herumreitet, wie es einem in unterschiedlichsten Werken mindestens einmal im Jahr auffällt. Die zweite große Stärke des Romans ist die unterschwellige Bezugnahme auf Missstände in unserer Gesellschaft, ein Aspekt, der in der Verfilmung größtenteils wegfällt (was angesichts des unterschiedlichen Mediums okay ist), während man sich hier bereits in den ersten Minuten (ähnlich wie im Trailer) ganz auf den Humor konzentriert. Der Zombie, der sich nur an den Anfangsbuchstaben seines Namens aus seinem früheren Leben, R, erinnern kann, begleitet einen Großteil des Films mit einem Voice-Over, in dem unter anderem immer wieder seine Ambitionslosigkeit thematisiert wird, in dem aber im weiteren Verlauf des Films, wenn sich die Liebesgeschichte in den Vordergrund spielt, auch die typische Unsicherheit einer pubertären Annäherung an das andere Geschlecht zu einer Humorquelle gemacht wird, die jedermann und -frau nachvollziehen können sollte. Das gibt es im Buch nicht ganz so auffällig. Ich für meinen Fall habe im modernisierten Soundtrack des Films (im Roman ist R ein großer Sinatra-Fan) lange Zeit darauf gelauert, dass Creep von Radiohead gespielt wird, was dieses »Lebensgefühl« des hoffnungslos verliebten Zombie sicher gut zusammengefasst hätte. Aber Radiohead stammen wie Björk (»I miss you«) eher aus dem CD-Zeitalter, und so gibt es eher leicht schmalzige Rockballaden aus den 1980ern wie John Waites Missing You. Aber auch einige recht schön (und passend) ausgesuchte Klassiker wie Springsteens Hungry Heart oder Shelter from the Storm von Bob Dylan.

Nur schwer mit dem Humoransatz und dem Alter des Zielpublikums vereinen ließ sich wohl auch das nicht unbedeutende Detail der Romanvorlage, dass R so etwas wie eine »Familie« hat. Im Film stehen in zwei Szenen mal zwei wiedererkennbare Zombiekinder herum, die offensichtlich daran erinnern sollen, doch dabei bleibt es auch. Die Verbesserung im Film besteht im Showdown (auch wenn ich höchstpersönlich schon ein Ende näher an Shakespeare zu schätzen gewusst hätte), der im Buch quasi nonexistent ist, im Film aber recht dramatisch aufgebaut wird, bevor man dann, um einige Handlungsfäden zu Ende zu spinnen, andere doch ein wenig unmotiviert fallen lässt und einfach darauf hofft, dass das Publikum dies nicht hinterfragt und sich mehr für bereits vorgestellte Figuren als eine gesichtslose Menge interessiert.

Abgesehen von diesen Einwänden ist der Film aber durchaus gelungen, die für einen Zombiefilm recht harmlose Gewalt und Action und der wirklich auf den Punkt gebrachte Humor helfen auch über die drei bis vier Momente hinweg, in denen die Liebesgeschichte sich schon etwas in den Vordergrund drängt.

Ein Detail, das ich komplett nicht verstehe, ist der Starttermin des Films, der 21. Februar. Wo doch eine Woche vorher der 14., also Valentinstag ist. Aber vielleicht ist es während der Berlinale etwas schwieriger, einen Film zu umwerben … oder manche junge Frau fühlt sich nicht mehr ganz so hofiert, wenn sie herausbekommt, in welchen Liebesfilm sie gerade eingeladen wurde. Im Presseheft zitiert man mal den für die Make-Up-Spezialeffekte zuständigen Adrien Morot (oscarnominiert für Barney's Version), der meint »Es ist die Art von Zombie-Film, in den ein Typ sogar seine Freundin mitbringen kann.« Offenbar ist der Herr ein wenig weltfremd, denn relativ unabhängig von der Drastik der Splatter-Effekte und der Einflechtung einer romantischen Liebesgeschichte sind Horrorfilme bekanntlich neben RomComs die Date-Movies überhaupt. Und noch stärker als bei Shaun of the Dead kann man hier behaupten, dass es sich um eine »Romantic Comedy - mit Zombies« handelt.