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August 2003
Thomas Vorwerk
für satt.org

Welcome back, Mr. McDonald
Radio no jikan

Japan 1997

Welcome back, Mr. McDonald (Radio no jikan) (R: Koki Mitani)

Buch
und Regie:
Koki Mitani

Vorlage:
Koki Mitani (Theaterstück)

Kamera:
Kenji Takama, Junichi Tozawa

Schnitt:
Hirohide Abe

Musik:
Takayuki Hattori

Darsteller:
Toshiaki Karasawa (Kudo / Regisseur), Kyoka Suzuki (Miyako Suzuki / Drehbuchautorin), Masahiko Nishimura (Ushijima / Produzent), Keiko Toda (Nokko Senbon / Mary Jane), Takehiko Ono (Ben Noda / Vater Martin), Shiro Namiki (Suguru Hosaka / Erzähler), Yasukiyo Umeno (Furukawa / Nokkos Manager), Jun Inoue (Hiromitsu / Heinrich), Yoshimasa Kondo (Miyakos Ehemann), Hiromasa Taguchi (Tatsumi / Tonmischung), Moro Morooka (Bucky / Schriftsteller), Akira Fuse (Horinouchi / Programmleiter), Toshiyuki Hosokawa (Hamamursa Jo / Donald McDonald), Ken Watanabe (Lastwagenfahrer)

Kinostart:
11. September 2003

Welcome back,
Mr. McDonald
Radio no jikan





Welcome back, Mr. McDonald (Radio no jikan) (R: Koki Mitani)
Hinter den Kulissen





Welcome back, Mr. McDonald (Radio no jikan) (R: Koki Mitani)





Welcome back, Mr. McDonald (Radio no jikan) (R: Koki Mitani)


Miyako, eine Hausfrau, die bei einem Drehbuchwettbewerb gewonnen hat, ist Zeugin der Generalprobe ihres Hörspiels, das wegen Zeitmangel des weiblichen Stars um Mitternacht live übertragen werden soll. Nachdem alles glatt geht, besteht eben jener Star darauf, daß der Name ihrer Figur geändert werden soll, weil er bei ihr unschöne Assoziation (Die Ehefrau eines Geliebten hieß so) hervorruft. Die Autorin, die zunächst noch um Formulierungen wie „Sie hob ihren Kopf nach oben“ (angeblich ein sprachlich falscher Pleonasmus) kämpft, willigt zur Änderung ein (aus einer Japanerin wird „Mary Jane"), und besiegelt damit damit das Schicksal ihres Werkes: Plötzlich will auch die männliche Hauptfigur einen Amerikaner spielen, der Spielort wird erst nach New York, dann nach Chicago verlegt, aus den bescheidenen Berufen der Hauptfiguren werden eine Karriereanwältin und ein Pilot, und all diese Machtkämpfe und Herausforderungen an das Improvisationstalent der Crew spielen sich live ab, einzig Werbeeinspielungen geben geringfügige Atempausen, bis dann ausgerechnet der Sponsor der Sendung durch einen vermeintlichen Flugzeugabsturz verärgert wird.

Wird es gelingen, das Hörspiel zu einem halbwegs kohärenten Ende zu führen?

Wird die Autorin ihren Namen zurückziehen?

Wird ihre Ehe das Hörspiel überleben? (der uneingeladen anwesende Gatte erkennt sich bei der leidenschaftlichen Dreiecksgeschichte als Verlierer wieder)

Und wieviele Kündigungen wird der Produzent während der Aufnahmen aussprechen müssen?

Koki Mitanis Komödie war bei der Berlinale 1998 ein Geheimtip, zum regulären Kinostart kommt es erst über fünf Jahre später, ein Schicksal, das viele kleine japanische Filme in den letzten Jahren teilten ("Sehnsucht", „Nabbie's Love"), das aber eher für die Qualität der Filme zu sprechen scheint. Schon in einer unspektakulären, aber den Zuschauer mitten ins Geschehen ziehenden Einführungs-Plansequenz beweist Mitani seine Meisterschaft, die Adaption eines Theaterstücks auf die Leinwand ist durchweg gelungen, wenn auch die filmischen Mittel eher subtil eingesetzt werden, und einzig die Beobachtung eines nächtlichen Zuhörers der Radiosendung den Spielort aus dem Sender herausführt.

Das rein akustische „Spiel im Spiel“ sorgt schon allein für humoristische Einlagen, aber gerade die Entstehungsgeschichte des immer wieder kurzfristig umgeschriebenen Stücks wird zu einem furiosen Wettlauf mit der Zeit, den moralischen Prinzipien einer desillusionierten Radiocrew und der Toleranz der zunächst schüchternen Autorin. Ein Ensemblefilm, der den Begriff „Situation Comedy“ auf japanische Weise interpretiert, und der das Zeug hat, über einen Geheimtip herauszuwachsen, und nicht nur die Fans des asiatischen Films ins Kino locken sollte.