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Sofie Lichtenstein: Bügeln. Protokolle über geschlechtliche Handlungen




12. November 2008
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Zufällig verheiratet (R: Griffin Dunne)
Zufällig verheiratet (R: Griffin Dunne)
Zufällig verheiratet (R: Griffin Dunne)
Bilder © Walt Disney Studios
Zufällig verheiratet (R: Griffin Dunne)
Zufällig verheiratet (R: Griffin Dunne)
Zufällig verheiratet (R: Griffin Dunne)
Zufällig verheiratet (R: Griffin Dunne)


Zufällig verheiratet
(R: Griffin Dunne)

UK / USA 2008, Originaltitel: The Accidental Husband, Buch: Mimi Hare, Clare Naylor, Bonnie Sikowitz, Kamera: William Rexer II, Schnitt: Suzy Elmiger, Musik: Andrea Guerra, mit Uma Thurman (Dr. Emma Lloyd), Jeffrey Dean Morgan (Patrick Sullivan), Colin Firth (Richard Bratton), Justina Machado (Sofia), Sam Shephard (Wilder), Lindsay Sloane (Marcy), Ajay Naidu (Deep), Keir Dullea (Karl Bollenbecker), Isabella Rossellini (Mrs. Bollenbecker), Devika Bhise (Chandini), Sarita Choudhury (Sunny), Jeffrey Tedmori (Ajay), Michael Mosley (Declin), Lindsey Kraft (Lauren), Michael Ferreira (Cake Consultant), Kristina Klebe (Katerina Bollenbecker), Irmingard Klebe, Joerg Klebe (Germans), 90 Min., Kinostart: 13. November 2008

Einer der ältesten Tricks in einer Romantic Comedy (gibt es sogar in den klassischen Screwball Comedies) ist es, die zunächst wenig aneinander interessierten Personen unterschiedlichen Geschlechts, die sich dann am Ende irgendwie “kriegen” sollen, durch irgendwelche widrigen Umstände “aneinanderzuketten”. Beispiele wären etwa Overboard (anfänglich rein berufliche Beziehung auf einem Schiff), Green Card (Scheinehe) oder Swept Away (Schiffbrüchige auf Insel). The Accidental Husband (für’s deutsche Publikum ist “accidental” offensichtlich eine zu schwierige Vokabel, weshalb man den Titel mal schlecht eingedeutscht hat, denn “zufällig” gibt nur sehr eingeschränkt die Bedeutung des Wortes wieder) baut hierbei auf dem Konzept “Scheinehe” auf, nur dass die Ehe, die hier zwei Personen verbindet, nicht auf den nicht-romantischen Motivationen der Ehepartner aufbaut, sondern eine etwas zu modern erscheinende Form der Rache der einen Person ist. Feuerwehrmann Patrick Sullivan (Jeffrey Dean Morgan) wurde von seiner großen Liebe Sofia verlassen, weil diese der Sendung der Radio-Telefon-Moderatorin Dr. Emma Lloyd (Uma Thurman) verfallen war und dort vom “Love Doctor” (“there’s a difference between romantic love and r-e-a-l love”) den Rat bekam, sich lieber etwas anderes zu suchen. Und so nutzt der Bilderbuch-Macho-Ire (Tätowierung, Brusthaare, Dreitagebart) die Hacker-Fähigkeiten seines indischen Bekannten, und lässt sich über die standesamtlichen Computerarchive einfach mit der Frau verheiraten, um es ihr heimzuzahlen. Da der “Love Doctor” gerade im Begriff ist, den Verleger (Colin Firth) des ersten selbstgeschriebenen Bestsellers zu ehelichen, bringt diese plötzliche Ehe durchaus einige Probleme für Emma mit sich, und um den “Papierkram” möglichst schnell zu erledigen, zeigt sie sich auch ziemlich kooperativ, was dazu führt, dass sie demonstrieren kann, wie sie durch Aufzählen der amerikanischen Präsidenten jeglichen Effekt alkoholischer Getränke abwehren kann - und im Bett des Feuerwehrmanns aufwacht.

Von da aus entwickelt Regisseur Griffin Dunne die Geschichte entsprechend der Regeln des Genres weiter. Die überraschendsten Einfälle sind hierbei die indischen Nachbarn, die etwas Bollywood-Flair in die Angelegenheit bringen (natürlich mithilfe einer Hochzeit), deutschstämmige Geschäftspartner des hier in die Nebenrolle abgedrängten Colin Firth, die sich (auch in der Originalfassung des Films) über Jürgen Klinsmann und Lukas Podolski unterhalten. Wenig überraschend ist das “The Lady and the Tramp”-Thema, das sich nicht nur durch den gleichnamigen Disneyfilm zieht (dt. Titel: Susi und Strolch), sondern, wie mir wirklich erst auffällt, nachdem ich den Rest dieses Textes längst geschrieben habe, in jedem meiner drei Beispielfilme überdeutlich präsent ist. Die Klischees sind wahrscheinlich noch der größte Kritikpunkt am Film: Wenn es schon unbedingt ein Feuerwehrmann sein muss (Warum nicht mal jemand von der Müllabfuhr? - Ich weiß schon, warum ...), ist es doch nicht notwendig, dass er auch noch “Patrick Sullivan” heißt. Allen Figuren hätte ein wenig mehr Format wirklich gut getan, denn wie sagt Isabella Rosselini mal im Film: “Überraschungen sind das Wichtigste” (in der Liebe). Davon hätte der Film mehr vertragen können, denn für die Vokabel “accidental” im Titel wirkte das Ganze zu sehr wie am Reißbrett konstruiert.