Ichi – Die blinde
Schwertkämpferin
(R: Fumihiko Sori)
Japan 2008, Originaltitel: Ichi, Buch: Taeko Asano, Lit. Vorlage: Kan Shimozawa, Kamera: Keiji Hashimoto, Schnitt: Hisashi Sasaki, Musik: Lisa Gerrard, Michael Edwards, mit Haruka Ayase (Ichi), Takao Osawa (Toma), Shido Nakamura (Banki), Yosuke Kubozuka (Toraji), Ryosuke Shima (Kotaro), Go Riju (Kihachi), Akira Emoto (Chobei), 118 Min., Kinostart: 14. Mai 2009
Den japanischen Volkshelden Zatoichi kennt man hierzulande spätestens, seit Takeshi Kitano sich der durch einen Roman und eine Fernsehserie bekannt gewordenen Figur annahm. Der Wortteil “zato” ist übrigens eine politisch nicht mehr korrekte Schmähbezeichnung für Blinde, und deshalb hat man den Teil halt weggelassen. Außerdem geht es diesmal um eine blinde Schwertkämpferin, wodurch beispielsweise die Beziehung zu Ichis großem Bewunderer Toma sehr schnell eine andere Bedeutung erfährt. Auch der kleine Kotaro, der ein Familienidyll perfekt machen könnte, und den irgendwie pazifistischer Schwertkämpfer zumeist als “tonma” (Tölpel) bezeichnet, ist eingeweiht, dass nicht Toma der große Schwertkämpfer ist, der gegen immer größere Gruppen von Banditen antritt, sondern die blinde Strassenmusikantin, die verstoßen wurde, weil sie (nicht freiwillig) mit einem Mann schlief. Überhaupt sind die Leidensgeschichten der zwei ganz ähnlich, und so entwickelt sich der Film mit viel Kunstblut schnell zu einer Liebesgeschichte voller Traumata und unausgesprochener Gefühle. Wobei Toma als Sensei und Bodyguard eingestellt wird und dem fiesen einäugigen Banki und seiner Bande den Garaus machen soll. Und sowohl auf dem “Schlachtfeld” als auch in der Liebe stellt sich die Frage, ob er jemals in der Lage sein wird, seine Klinge zu ziehen und seinen Mann zu stehen ...
Man merkt die Nähe der Basis dieser Geschichte zu Western (Showdown), Star Wars (rot gegen blau) oder Daredevil (ebenfalls blind, aber mit kompensatorischen Fähigkeiten ausgezeichnet). Und dass die Bösewichte teilweise wie Bandmitglieder von Duran Duran oder eine Mischung aus Axel Stein und Quentin Tarantino aussehen, hat sogar auch einen gewissen Charme. Japanisches Genre-Kino, dass zwar völlig überhöht daherkommt, sich aber dennoch nicht immer ernst nimmt. So wundert man sich beispielsweise, dass bei einem Flashback die Erinnerungen der Blinden zunächst durch Bilder verdeutlicht werden (ich weiß, dass ich im Kino sitze, aber es wirkte dennoch seltsam), aber dann folgt dann die dadurch fast noch bedeutsamere kleine Berührung. Und so funktioniert vieles in diesem Film: Man fasst sich zwei, dreimal an den Kopf, wird dann aber doch berührt. Und das ist mehr, als einem oft geboten wird.